Alte Stadtansichten Album 25

Erinnerung an leidvolle Zeit der jüdischen Bürger

Auf dem Synagogenplatz stand das jüdische Gotteshaus - Hilde-Mattauch-Platz zu Ehren der in Kaiserslautern geborenen Sängerin
Von Gerhard Westenburger

Platz_SynagogenDer Synagogenplatz und der Hilde-Mattauch-Platz halten die Erinnerung an eine leidvolle Zeit der Menschen jüdischen Glaubens wach, hier der Kaiserslauterer Juden. Schon vor der Stadtgründung im Jahr 1276 war Lautern zahlreichen Juden Heimat. Beide Platznamen kann man allerdings nicht als historisch bezeichnen. Nach dem Naziterror hat es bis 1979 gedauert, bis der Synagogenplatz in das offizielle Straßenverzeichnis eingeschrieben wurde. Der Hilde-Mattauch-Platz erhielt seinen Namen 2006.

Der Synagogenplatz ist die heutige Freifläche zwischen Fischerstraße, Schubertstraße und Luisenstraße, auf der Südseite begrenzt durch das Behördenhaus an der Bismarckstraße. Auf einem Teil dieses Areals stand die im Februar 1886 eingeweihte Synagoge. Der Grundriss des zerstörten Gotteshauses ist mit Buchspflanzungen nachempfunden. Auf der Südseite des Platzes hat das Referat Grünflächen sieben Linden gepflanzt. Die Bäume beziehen sich auf die jüdische Menora, den siebenarmigen Leuchter des salomonischen Tempels. Diese Leuchter gibt es auch in christlichen Kirchen aus dem Mittelalter. Die sieben Linden können so Symbol der Verbundenheit sein. Weil Kaiserslautern Gauhauptstadt werden sollte, wollten die Nationalsozialisten die Fischerstraße, die damalige Dr.-Frick-Straße, für ihre Aufmärsche verbreitern. Sie zwangen die jüdische Gemeinde mit diesem verlogenen Argument, die Synagoge an die Stadt zu verkaufen. Der Kaufpreis für das Gebäude und das Grundstück, den heutigen Synagogenplatz, wurde jedoch nicht bezahlt. Die Straßenbauarbeiten vor der Synagoge begannen im Juni 1938. Am 29. August wurde mit Abrissarbeiten begonnen. Die Sprengung erfolgte am 9. Oktober 1938. Ein Torbogen auf der Nordseite der Synagoge widerstand zunächst dem Dynamit der Nazis. Er wurde am 13. Oktober 1938 niedergelegt.

Nach dem Ende der Naziherrschaft musste die jüdische Gemeinde bis Mai 1951 prozessieren, um wenigstens eine finanzielle Entschädigung, zu bekommen. Die Stadt zahlte 256.000 Mark für das Grundstück, das seit 1979 offiziell Synagogenplatz heißt. Bei der Bevölkerung war der Platz mit der Synagoge so tief verankert, dass er auch noch während der Nazizeit „der Platz, wo die Synagoge stand” genannt wurde. Nachdem die Trümmer des zerstörten Gotteshauses beseitigt waren, wurde der freie Platz noch 1938 Ernst-vom-Rath-Platz benannt. Der Name konnte sich im Sprachgebrauch nicht durchsetzen. Ernst vom Rath, ein nationalsozialistischer Diplomat in Frankreich, war am 7. November 1938 ermordet worden. Dieses Ereignis soll den Nazis Anlass für die Novemberpogrome 1938 gewesen sein.

Das Rasen- und Blumenarrangement auf dem neu benannten Platz war nicht von langer Dauer. Schon 1943/44 scharrten die Nazis einen Splitterschutzunterstand in die Fundamente der gesprengten Synagoge. Er sollte vor allem Passanten und den Bewohnern in der unmittelbaren Umgebung Schutz bei Luftangriffen bieten.

Der Name Synagogenplatz ist, ohne bis dahin offiziell benannt worden zu sein, erstmals im Adressbuch 1949 zu finden. Massiven öffentlichen Ärger gab es um 1949/1950: Als es aufwärts ging und die Kerwe wieder auf dem Stiftsplatz abgehalten wurde, wurde die historisch belastete Fläche des heutigen Synagogenplatzes in die Kerwe einbezogen. Über das ehemalige kleine Sträßchen Am Stadtweiher, eine Verbindung vom Stiftsplatz zur Luisenstraße (etwa auf Höhe des heutigen Gebäudes der Stadtsparkasse), kam man zur zweiten Kerweabteilung mit Reitschulen, Schießbuden und Imbissständen auf der Fläche der 13 Jahre zuvor zerstörten Synagoge. Ab Oktober 1953 wurde die Kerwe dann auf einem Teil des neuen Messplatzes veranstaltet. Nach der offiziellen Benennung 1979 errichtete die Stadt ein Jahr später einen kleinen Gedenkstein, der an die von den Nazis zerstörte Synagoge erinnerte.

Als Mahnmal wurden 2001 die beiden Pfeiler der Nordfassade des Gotteshauses, die der ersten Sprengung widerstanden hatten, rekonstruiert. Auf der Rückseite des Mahnmals sind die Namen der in der Nazizeit vertriebenen, verschleppten und ermordeten Kaiserslauterer Juden eingemeißelt. Eine 3-D-Computer-Rekonstruktion der Technischen Universität Darmstadt ermöglicht seit 2006, sich einen virtuellen Eindruck der Synagoge zu verschaffen. Hierzu sind rund um den Synagogenplatz sieben Sichtgeräte aufgestellt.

Die Wilhelmstraße und die Hummelstraße formen den Hilde-Mattauch-Platz zu einem Dreieck, mit der Spitze zur Bismarckstraße hin. Der Platz erhielt seinen Namen im Jahr 2006. Im Mai 2011 hat die Stadt eine Gedenktafel aufgestellt, auf der das bewegte Leben und das Schicksal der aus Kaiserslautern stammenden Sängerin Hilde Mattauch nachzulesen ist. Als Tochter einer jüdischen Mutter wurde Hilde Mattauch am 7. April 1910 in Kaiserslautern geboren. Wegen ihrer jüdischen Abstammung durfte sie nach 1933 nicht mehr auftreten. Sie wanderte nach England aus, kam 1935 wieder nach Kaiserslautern zurück, und floh 1936 über Portugal nach Argentinien. Nach dem Krieg gab sie auf einer Europatournee 1954 und 1957 nochmals Konzerte in Kaiserslautern. Sie verstarb im April 2002 in ihrer neuen Heimat Argentinien.

Die dreieckige Freifläche ist bereits im Stadterweiterungsplan von Eugen Bindewald aus dem Jahr 1887 konzipiert. Der historisch bedeutsame Teil ist die Hummelstraße auf der Ostseite, eine zusammenhängende Gruppe dreier Wohnhäuser aus den Jahren um 1900. Zwei Sandsteinskulpturen „Maske des David Michelangelo” von zwei Schülerinnen des Fachbereichs Bildhauerei der Meisterschule für Handwerker schmücken den Platz.
 

Das Geheimnis um die Betonsäule

Der Karl-Theodor-Platz und der Sedanplatz sind geplante Freiflächen im dichtbesiedelten Kotten
Von Gerhard Westenburger

Platz_Karl-TheodorDer Karl-Theodor-Platz und der Sedanplatz auf dem Kotten gehören zu den ältesten Plätzen Kaiserslauterns. Beide Plätze sind städtebaulich geplante Freiflächen im dicht bebauten Wohngebiet Kotten. Im Gegensatz dazu haben sich andere Plätze in der Stadt durch Randbebauung von Sumpf und Wiesengelände gezwungenermaßen ergeben; der Messeplatz, der Wiesenplatz, der Stifts- und der Schillerplatz gehören zu dieser Kategorie.

Der Name Kotten erscheint in der Stadtliteratur ab 1348 in unterschiedlichen Schreibweisen. Lexikalisch wird Kotten auf das mittelhochdeutsche Wort „kote” zurückgeführt, was kleine Hütte oder kleines Haus bedeutet. Im Mittelalter stand auf dem Platz der Apostelkirche eines dieser Häuser, wo Aussätzige untergebracht gewesen sein sollen.

Die mittlerweile nicht mehr gebräuchlichen Begriffe Kottenberg und Kottenbruch erläutern die Situation des Areals. Auf dem Kottenberg, wo heute der Karl-Theodor-Platz und der Sedanplatz zu finden sind, lagen die landwirtschaftlich genutzten Kottenfelder. Das Kottenbruch erstreckte sich südlich der Pariser Straße. So ergab sich auch der dort gelegene Pfaffplatz, der ebenfalls zu den Plätzen gehört, die durch Umbauung feuchten Geländes als Freiräume entstanden sind.

Der Kotten, das heißt, der Kottenberg mit den ehemaligen Kottenfeldern, ist heute ein gepflegtes und beliebtes innerstädtisches Wohngebiet. Die Bebauung wurde in zwei Abschnitten durchgeführt. Der Teil östlich der Kottenschule ist der ältere Teil. Die erste Vermessung und Erschließung hat Bürgermeister Carl Spät veranlasst. Sie wurde von Geometer F. J. Etienne 1831 ab der heutigen Mühlstraße begonnen.

Die Kottenschule wurde von 1891 bis 1893 gebaut. Der auf der Nordostseite gelegene Karl-Theodor-Platz erhielt 1899 seinen Namen nach dem pfälzischen Kurfürsten Carl Theodor. Der Platz ist schon auf dem Stadterweiterungsplan von Eugen Bindewald aus dem Jahr 1887 vorgesehen. Der westliche Teil des Kottens wurde etwa in der Zeit von 1880 bis 1911 bebaut. Im Rahmen dieser Entwicklungsmaßnahme wurde der Sedanplatz eingeplant.

Auf, beziehungsweise in den Karl-Theodor-Platz gelangt man von der Nordseite der Kottenschule her durch ein Türchen. Der Platz ist mit einem etwa einen Meter hohen Metallzaun umgeben. Der Platz ist mit seinem alten Baumbestand besonders im Sommer ein angenehmer Aufenthaltsort. Mit Baumhaus, Rutsche, Sandkasten, Klettergerüst und einer Holzbrücke von Baum zu Baum ist er überwiegend Spielfläche.

Bei älteren Lauterern ist die Gaststätte von Hans Hörr, Ecke Karl-Theodor-Platz, heute Gottfried-Kinkel-Straße, noch in bester Erinnerung. In den Hungerjahren nach dem Zweiten Weltkrieg war die Gaststätte ein Geheimtipp. Hörr gelang es immer wieder, ein Kalb, eine Ziege, ein Schaf oder Schwein aufzutreiben. Wenn „de Hörre Hans vum Theodor-Platz" wieder mal schwarz geschlachtet hatte, trafen sich die ausgehungerten Insider zum Schmaus. Hörr hatte sein Handwerk in der Metzgerei Kohler gelernt. Die 81-jährige Alice Hamann aus der Hasenstraße sagt, dass der Hörre Hans „de beschde Grummbeersalat” gemacht hat.

An die Hungerjahre nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert auch eine Inschrift vom Juni 1946 auf dem Speicher des Hauses Sedanplatz 1. Die Tagesration betrug 850 Kalorien, wie in den Mörtel eingeritzt ist. Wenn die 81-Jährige Alice Hamann „vum Korre” erzählt, muss das Gespräch auf die Bombennacht am 28. September 1944 kommen. Ihre Familie hielt damals noch Vieh, drei Kühe, zwei Schweine und Hühner. Als in den Stall eine Brandbombe eingeschlagen sei, hätte ihr Bruder, der auf Fronturlaub zuhause gewesen sei, die Stalltür geöffnet und die Tiere laufen lassen.

Im April 1923 legten Eisenbahner des Bahnheims die Arbeit nieder. Die Familien mussten deshalb auf Anordnung der französischen Besatzung ihre Siedlungshäuser verlassen. Etwa 30 Familien fanden in Schulsälen in der Kottenschule Unterkunft. Mit Handkarren sollen sie ihr Hab und Gut zur Kottenschule transportiert haben, samt Hühnern, Ziegen und Schweinen. Während des Zweiten Weltkriegs wurden in einigen Stadtteilen Splitterschutzgräben angelegt, so auch einer auf dem Karl-Theodor-Platz, eine notdürftige Zuflucht, wenn die Zeit nach dem Hauptalarm nicht mehr reichte, einen der Felsenbunker beim Sedanplatz, in der Schoenstraße oder den Kammgarnbunker zu erreichen.

Platz_SedanDer Karl-Theodor-Platz birgt offensichtlich ein Geheimnis. Auf der Ostseite bei der Schulturnhalle der Kottenschule steht ein etwa drei Meter hohes Objekt, dessen Bedeutung oder Zweck niemand kennt. Es handelt sich um eine Betonsäule mit einem Durchmesser von etwa 50 Zentimetern. Davor und dahinter ist je eine schwungvoll gebogene Metallröhre angebracht, die die Betonsäule wie ein Anfahrschutz abzuschirmen scheint. Anfragen bei möglicherweise zuständigen Referaten der Stadt blieben ergebnislos. Weder das Referat Stadtentwicklung, wo die Skulpturen verwaltet werden, noch die Stadtentwässerung, wegen einer möglichen Kanalbelüftung, konnten das Rätsel lösen, nicht das Referat Grünflächen und das Referat Tiefbau, auch nicht die Stadtwerke.

Der westlich der Kottenschule gelegene Sedanplatz präsentiert seine gepflegte Schauseite zur Sedanstraße mit Schmuckpflaster, Bänken, Bäumen und Sträuchern. Als Kommunikationsfläche geplant, erfüllt er im engen Wohngebiet seine Aufgabe. Der Spielplatz ist mit massigen Sandsteinquadern abgegrenzt und auf der Nordseite mit einem Metallzaun zur Turnerstraße abgesichert. Während des Kriegs gab es vom Sedanplatz aus einen Zugang zu dem ehemaligen Brauereikeller von Schuck-Jaenisch, ein in den Fels des Kottenbergs getriebener Stollen. Als Badegelegenheit nutzten die Kinder im Krieg den auf dem Platz angelegten Löschteich.

Der Sedanplatz ist ein Beispiel da-für, was engagierte Bürger erreichen können. Beim Entree von der Sedanstraße her steht das aus Beton gegossene Wahrzeichen der Stadt Guimarães, der portugiesischen Partnerstadt Kaiserslauterns. „Als Ausdruck des gewachsenen Miteinanders” wurde die Plastik im Jahr 2000 vom Portugiesisch-Deutschen-Freundeskreis aufgestellt. Eine Tafel erinnert daran, dass die ersten portugiesischen Mitbürger im Jahr 1964 nach Kaiserslautern kamen. Wohnung fanden sie auf dem Kotten und Arbeit in der Kammgarn.

Der westlich der Kottenschule gelegene Sedanplatz (Bild oben) präsentiert seine gepflegte Schauseite zur Sedanstraße mit Schmuckpflaster, Bänken, Bäumen und Sträuchern. Auf den Karl-Theodor-Platz gelangt man von der Nordseite der Kottenschule her durch ein Türchen. Der Platz ist mit einem etwa einen Meter hohen Metallzaun umgeben. Der Platz birgt offensichtlich ein Geheimnis. Auf der Ostseite bei der Schulturnhalle der Kottenschule steht ein etwa drei Meter hohes Objekt, dessen Bedeutung oder Zweck niemand kennt.
 

Waren es Schmuckfarben oder Tarnfarben auf den drei Gaskesseln der ehemaligen Gasfabrik?

Bild216Als Tarnfarben erfüllten sie im Zweiten Weltkrieg jedenfalls nicht ihre Aufgabe. Die drei Kessel waren lohnende Ziele für Bomber und Tieffliegerattacken. Die Kessel waren schon seit den 1920er Jahren mit diesen Mustern bemalt. Es waren bräunlich-grünlich erdige Farben. Die Aufnahme aus den Beständen des Gasanstalt-Fotoarchivs entstand 1939. Sie wurde trotz des strengen Verbots zu fotografieren gemacht. Damals wurden die Farben aufgefrischt. Waren es vorher Schmuckfarben, so sollten sie jetzt der Tarnung dienen und die Kessel für Flugzeuge undeutlich mit der Umgebung verschmelzen lassen. Vergeblich. Der als Tarnfarbe gedachte Anstrich konnte weder die Kessel noch die anderen Anlagen der Gasfabrik vor der Zerstörung schützen. Wie aus der Werksgeschichte hervorgeht, wurde das Gaswerk bei dem Luftangriff am 14. August 1944 gering beschädigt. Das scheint darauf zurückzuführen zu sein, dass der Angriff im August 1944 ein Flächenbombardement war. Die gesamte Gasversorgung war jedoch für etwa zehn Tage unterbrochen. Am 24. und 25. Dezember 1944 wurde das Werk offensichtlich gezielt angegriffen, ebenso am 28. Dezember 1944 sowie am 2. und am 7. Januar 1945. Etwa 60 Einschläge von Sprengbomben sollen bis zur völligen Zerstörung gezählt worden sein. Nach dem Krieg wurden die beiden Kugelbehälter „Max” (1959) und „Moritz” (1967) installiert. Das Gaswerk an der damaligen Hohenecker Straße, heute das Gelände zwischen der Triftstraße im Westen, die damals einen anderen Verlauf nahm als heute, der Pirmasenser Straße im Süden und dem Bahndamm im Osten wurde 1888 gebaut. Zunächst wurde das Stadtgas nur in dieser Anlage produziert. Als der Bedarf stieg, bezog die Gasanstalt ab 1937 Ferngas aus dem Saarland. Der Gewebeverein berief 1858 eine Kommission ein, die den Betrieb einer Gasbeleuchtungsanstalt organisierte.

Anfang der 1970er Jahre, bevor die Sanierung der Altstadt begann,

Bild217wurden verschiedene Partien der Steinstraße immer wieder fotografisch dokumentiert. Beim Referat Stadtentwicklung gibt es eine umfangreiche Sammlung von Aufnahmen der alten Hausbestände. Auch Privatpersonen hielten das etwas heruntergekommene Stück Alt-Lautern fotografisch fest. Diese Aufnahme zeigt den südlichen Bereich des späteren Stockhausplatzes, der 1980/1981 fertig gestellt wurde. Ein RHEINPFALZ-Leser hat das Bild Anfang der 1970er Jahre gemacht. Der Standpunkt des Fotografen war etwa auf Höhe des heute noch erhaltenen Hauses der Bumiller-Raab-Stiftung, in dem das Jugendzentrum untergebracht ist. Der auf dem Foto in der Bildmitte abgebildete Bestand wurde flächensaniert. Die Häuser waren Ende der 1960er Jahr noch bewohnt. Die Fassade auf der linken Seite gehört zum Theodor-Zink-Museum, der ehemaligen Gastwirtschaft Zum Rheinkreis. Die Fassade und das ganze Gebäude wurden später renoviert. An der Stelle der beiden Häuser mit den Walmdächern steht heute eine Wohnanlage der Bau AG, die mit den Hausnummern 32 bis 42 mit 68 Wohnungen weit in die Steinstraße hineinreicht. Baubeginn in diesem Areal war am 3. Juli 1979. Diese Wohnanlage war bei der Sanierung in die Zielplanung der Stadt integriert. Die Steinstraße gehört zu den Kaiserslauterer Straßen, von denen besonders viele Aufnahmen als florierende Geschäftsstraße Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gemacht wurden. Es gibt zahlreiche Fotos von der ersten Straßenbahn, die durch die Steinstraße ratterte. und Fotos aus den 1950er Jahren.

Das bildbeherrschende Gebäude, St.-Marien-Platz 13,

Bild218wurde 1924/1925 von Stadtbaumeister Hermann Hussong errichtet. Der Block bildet das Entree zum Königsviertel. Auf dem Foto aus dem Bau-AG-Archiv gibt es einige Besonderheiten zu entdecken: Den Treppenhausturm krönte zur Zeit der Aufnahme 1928 eine von Bildhauer Friedrich Korter aus einem Betonblock gehauene nackte Frauengestalt. Sie legt die Arme auf die Schultern. Die Skulptur wurde 1926 auf dem Wohngebäude angebracht. Die Figur hieß im Sprachgebrauch „Hussongfrau”. Wegen der Nähe zur Marienkirche war auch „Maria” gebräuchlich. Der damalige Pfarrer der Marienkirche soll über die nackte Gestalt gehörig gewettert haben. Aber die Dame harrte aus. Sie überstand die Nazizeit, in der jeder Hussong-Dachschmuck, auch im gesamten heutigen Königsviertel, entfernt werden musste. Bei der Sanierung des Gebäudes im Jahr 2002 verschwand die standhafte Frauengestalt. Bau-AG-Vorstand Guido Höffner sagt, über den Verbleib der Skulptur sei nichts bekannt. Er vermutet, dass sie bei den Bau- und Renovierungsarbeiten 2002 beschädigt und „dezent” beseitigt wurde. Nachforschungen hätten zu keinem Ergebnis geführt. Auf ähnlich mysteriöse Weise verschwanden 1962 die vier Kröten des Froschbrunnens auf dem ehemaligen Maxplatz. Die Stadt sagte damals auf Anfrage aus dem Rat, die Kröten seien beim Abbruch des Brunnens untergetaucht. Auf dem Foto vom Marienplatz ist links ein hölzernes Straßenschild mit der Aufschrift „Deux-Ponts”, Zweibrücken, zu sehen, ein Hinweis darauf, dass Kaiserslautern 1928 von den Franzosen besetzt war. Abgesehen von dem Straßenschild, lässt sich ein weiteres Stück Verkehrsgeschichte aus der Weststadt, wie dieses Stadtquartier damals hieß, aus dem Foto lesen: Schienen, Halte- und Fahrdraht der seit 1916 laufenden Straßenbahn der Linie Hauptbahnhof - Pfaffplatz - Fackelrondell. Rechts steht zwischen dem Baum und der Gaslaterne ein reich verzierter gusseiserner Haltemast der Drähte. Bis auf die gepflasterten Rinnsteine waren viele Straßen noch bis in die 1930er Jahre nur gesandet und geschottert. Der Block Marienplatz 13 wurde mit Zusatzdarlehen der künftigen Mieter gebaut. Unmittelbar vor dem Bezug beschlagnahmte die französische Besatzung einen großen Teil der Wohnungen, weil Truppenteile aus dem Ruhrgebiet nach Kaiserslautern verlegt wurden. FOTO: BAU AG

Beziehung zur Kunst

Maler, Dirigent und Komponist als Namensgeber
Von Gerhard Westenburger

Platz_Addi Schaurer1Der Addi-Schaurer-Platz, der Emmerich-Smola-Platz und der Musikerplatz sind in Kaiserslautern Plätze, die eine Beziehung zur Kunst haben. Addi Schaurer war Lehrer und ein Meister der Aquarellmalerei, Emmerich Smola war Studioleiter und Chefdirigent des Rundfunkorchesters Kaiserslautern, und beim Musikerplatz versammeln sich Komponisten vergangener Jahrhunderte.

Die meisten Plätze in Kaiserslautern prägen ihre Stadtviertel und schaffen ein Stück Kaiserslauterer Identität, seien es beispielsweise der Stiftsplatz, der St.-Martins-Platz, der St.-Marien-Platz, der Karl-David-Hoffman-Platz im Bahnheim, der Stockhausplatz in der Altstadt oder der Davenportplatz in der Uniwohnstadt. Die „Künstlerplätze” sind neueren Datums, und sie machen sich wesentlich bescheidener aus. Sie drücken ihrem Stadtquartier keinen Stempel auf.

Der Addi-Schaurer-Platz ist keine neue Freifläche. Das Areal war bis zur Benennung vor zehn Jahren, am 12. Juni 2002, eine namenlose Freifläche beim Wohnhaus von Schaurer, dort, wo sich die Schumannstraße und die Beethovenstraße durch eine stadtplanerische Gegebenheit aus dem 19. Jahrhundert wie ein Delta zur Rudolf-Breitscheid-Straße öffnen. Dieser kleine Bezirk mit drei, vier Bäumen steht heute im Pflegeprogramm des Referats Grünflächen. Bis zur Benennung nach Schaurer war er etwas vernachlässigt, und im Buschwerk schienen sich die Ratten ihren Schlaf zu gönnen, wie Anwohner erzählen. Bei der Einweihung des kleinen grünen Inselchens gab es ein Bürgerfest mit musikalischer Umrahmung.

Platz_Addi Schaurer2Der Addi-Schaurer-Platz sitzt etwas tiefer im Bewusstsein als die beiden anderen Plätze: Es gibt eine Bushaltestelle Addi-Schaurer-Platz. Adolf, „Addi” Schaurer ist 1990 verstorben. Er war frei schaffender Künstler, ein Virtuose der Aquarellmalerei, und er war Lehrer an der Meisterschule. Mit seiner Kunst am Bau, mit Mosaiken hat er die Stadt geschmückt.

Mit der Benennung des Emmerich-Smola-Platzes im Oktober vergangenen Jahres hat die Stadt - der Bauausschuss - einen Beschluss gefasst, wie es ihn vorher noch nie gegeben hat und damit vielleicht einen Präzedenzfall für Private geschaffen: Der Emmerich-Smola-Platz ist ein Privatgrundstück. Der Platz an der Fliegerstraße auf dem Gelände des Studios des Südwestrundfunks wird nach Auskunft der Stadt nicht öffentlich gewidmet. Betreten verboten! Der Platz ist Privatgelände des Südwestrundfunks. Er wird trotzdem offiziell als Emmerich-Smola-Platz 1 in das Straßenverzeichnis aufgenommen und auf der Homepage der Stadt ist er schon auf dem Stadtplan zu finden.

Professor Emmerich Smola, Studioleiter und Chefdirigent des Rundfunkorchesters Kaiserslautern wirkte viele Jahrzehnte beim Südwestrundfunk. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat er in seinem Genre in Kaiserslautern ein Stück Kulturgeschichte geprägt. Nach Kaiserslautern kam Smola 1946, bereits zwei Jahre später nahm er die Stelle des Chefdirigenten ein. Im Laufe der Jahre entwickelte er das Große Unterhaltungsorchester des damaligen Südwestfunks. Dem Chefdirigenten gelang es, Künstler mit großen Namen nach Kaiserslautern zu holen, wie Zarah Leander und Anneliese Rothenberger. Emmerich Smola verstarb im Jahr 2011.

Die Mozartstraße, die Brahmsstraße und die Schumannstraße bilden bei ihrer Einmündung in die Pirmasenser Straße eine kleine Freifläche, die seit 1997 als Musikerplatz im Straßenverzeichnis steht. Im etwas weiteren Umfeld runden die Richard-Wagner-Straße, die Beethovenstraße und die 1993 benannte Haydnstraße das schon seit Jahrzehnten im Sprachgebrauch sogenannte Musikerviertel ab. Diese kleine Fläche muss schon im 19. Jahrhundert von städtebaulicher Bedeutung gewesen sein. In den Stadtplänen aus den 1890er Jahren macht sie, wenn man die Humboldtstraße einbezieht, den Eindruck eines Verteilers. Dieser Verteiler hatte möglicherweise die Aufgabe, den innerstädtischen Verkehr zusammenzuführen und über die Pirmasenser Straße nach Westen abzuleiten oder von dort her aufzunehmen.

Neben dem Musikerviertel gibt es im Kaiserslauterer Sprachgebrauch auch ein Malerviertel; das ist die Nordwestseite der Berliner Straße. Dieses Stadtviertel existiert seit Anfang der 1950er Jahre: Feuerbachstraße, Slevogtstraße, Käthe-Kollwitz-Straße, Menzelstraße. Im Bauboom nach dem Krieg gab es dort keinen Platz für Plätze, auch nicht im Wohngebiet Betzenberg, auf dem Bännjerrück oder auf dem Seß.
 

Wenn der Laternenmann am Gasstrumpf zieht

vor 50 jahren: Abbau der Gaslaternen in der Stadt

Gaslicht2Im Mai 1962, vor 50 Jahren, lief der Abbau der letzten Gaslaternen in Kaiserslautern. Das hatte der Stadtrat einige Monat zuvor beschlossen. Meist an Straßenecken standen damals noch 141 dieser Gasleuchten; ein Jahr zuvor waren es noch 1.000.

„Wer abends in der Dämmerstunde durch die Königstraße geht, kann das Glück haben, der guten alten Zeit zu begegnen. Ein letzter Hauch der Atmosphäre Alt-Kaiserslauterns verzaubert die hastenden Menschen... Alle hat der Laternenmann gefesselt mit seinem blassen Licht, das er aus der Laterne zaubert... Jedes Mal, wenn er mit seinem Stock an einem Gasstrumpf zieht, springt das Licht hoch. Man hat den Eindruck, als mache es ihm Freude, die Dunkelheit zu überrumpeln...” Dieser Beitrag stand am 16. April 1962 in der Pfälzischen Volkszeitung.

Im Laufe der Zeit gab es Gaslaternen mit verschiedenen technischen Ausstattungen. Es gab die modernen, die bei Eintritt der Dunkelheit selbst zündeten und solche, bei denen der Laternenmann die Gaszufuhr mit einem langen Stab Abend für Abend bei seinem Rundgang durch die Stadt regulieren musste.

In einem Teil der Königstraße standen bis zuletzt die älteren Exemplare, die der Laternenmann selbst anzünden musste. Im Abschnitt von der Göbenstraße bis zur damaligen Von-der-Tann-Straße wurden bereits 1939 moderne Leuchten installiert.

Gaslicht1Zwischen der Brandenburger Straße und dem Bahndamm liegt das Gelände des alten Gaswerks, das 1888 dort gebaut wurde. Gasversorgung gibt es in Kaiserslautern seit 1858. Das erste Werk befand sich Am Stadtweiher, im Bereich der heutigen Bismarckstraße. Die Industrie wollte besseres Licht und die Bevölkerung eine gute Straßenbeleuchtung. Das waren die ausschlaggebenden Gründe für den Bau eines Gaswerks. Das Gaslicht war der Anfang der Gasversorgung.

Am 16. Dezember 1859 schloss die Stadt mit der Gasanstalt einen Konzessions- und Straßenbeleuchtungsvertag. Gut hundert Jahre verbreiteten die Laternen ihr bläulich-grünliches Licht. Die Laternen waren auf kunstvoll gegossenen schmiedeeisernen Ständern an Straßenecken oder auf reich verzierten Stützen an Hausfassaden angebracht. Das waren Sammlerstücke. Die letzte Gaslaterne wurde in Kaiserslautern am 31. Dezember 1962 gelöscht.

Die Gasfabrik an der damaligen Pirmasenser Straße, heute Brandenburger Straße, im Jahr 1926. Sie wurde 1888 gebaut und lieferte das Gaslicht für die Laternen. Sie wurden vom Laternenmann mit einem langen Stab „angezündet”. Ab dem Jahr 1939 gab es dann modernere Gasleuchten, die bei Eintritt der Dunkelheit selbst zündeten, wie auf unserem Bild unten in der Königstraße zu sehen.
 

Die Gaststätte Restauration und Schweinemetzgerei Rote Laterne

Bild219war wie die meisten Gaststätten in Kaiserslautern seit Anfang des 19. Jahrhunderts bayerisch geprägt. Kaiserslautern war seit 1816 Bezirksstadt der bayerischen Rheinprovinz. Das Foto aus den Beständen des Theodor-Zink-Museums wurde 1910 gemacht. Mit dieser Einrichtung soll das Gasthaus bis Mitte der 1920er Jahre ausgestattet gewesen sein, erinnern sich Zeitzeugen. Die geflochtene Sitzfläche der Stühle ist gut zu erkennen. Abwechselnd sollen weiß-blau karierte Tischdecken, die bayerische Variante, aufgelegt worden sein und dann wieder solche in den rot-weißen Stadtfarben. Interessante Details geben Einblick in die „gute alte Zeit”: Der Ofen steht, wie damals üblich, vier, fünf Meter vom Kaminanschluss entfernt, um die Abwärme des langen Ofenrohrs - im Bild hinten rechts - nutzen zu können. Ganz rechts oben ist die Zeigehand mit dem Hinweis „Zum Hof” zu sehen. Der Hinweis „Zur Toilette” wurde in den Gaststätten erst in den späten 1920er Jahren gebräuchlich. Der Hinweis „Zum Hof” war Anfang des 20. Jahrhunderts schon Fortschritt. Hieß doch der Hinweis vorher „Zum Abort”. Nicht nur die Ausstattung der Roten Laterne war eine bayerische Kopie, sondern auch die Speisekarte. „Lüngerl”, „Kälbernes” und Schweinsbraten waren Standard, auch Milzwurst und Weißwurst. Was sonst? Abgesehen vom Saumagen, ein Arme-Leute-Essen des 18. Jahrhunderts aus Schlachtresten, gibt es kein typisch pfälzisches Gericht. Im Riesen, Ecke Riesenstraße/Kerststraße, im Augustiner Keller in der Fruchthallstraße oder im Gasthaus Zur Löwenburg bei der Bremerstraße, waren die Speisekarten ähnlich. Im 19. Jahrhundert war auch Französisches auf der Menükarte zu finden. Das war die Suppe mit Croûtons, alle Arten von Pasteten und Weißbrot, das damals nicht Baguette, sondern Franzosenbrot hieß. Das Haus der Roten Laterne in der Markstraße 26 hat den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden. Heute gibt es dort ebenfalls wieder eine Gaststätte. Der Denkmalschutz verweist auf die aufwendig gegliederte Renaissancefassade des 1887 erbauten Wohn- und Geschäftshauses. Das Gebäude sei von städtebaulicher Bedeutung im Hinblick auf seine Lage bei der Stiftskirche im Umfeld des historischen Marktplatzes. Die Rote Laterne war während des Zweiten Weltkriegs ein beliebter Urlaubertreff.

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