Alte Stadtansichten Album 23

Untertunnelung und Omnibusrampen - Der Pfaffplatz hat eine leidvolle Geschichte und wartet bis heute auf ein neues Gesicht

Von Gerhard Westenburger

Platz_Pfaff BildBäume und Bänke, Wiese und Wasserspiel sind Pfaffplatz-Fantasie. Verkehrsraum und Verkaufsfläche sind Pfaffplatz-Realität.

„Die Politik fordert immer wieder, die Neugestaltung des Pfaffplatzes anzugehen. Die Verwaltung hat Vorschläge in der Schublade, den Platz heutigen Ansprüchen moderner Gestaltung anzupassen", informiert Elke Franzreb, Direktorin des Referats Stadtentwicklung. Bei jeder Haushaltsberatung werde das Problem Pfaffplatz eingebracht und scheitere dann an der Frage der Finanzierung. Das Thema stehe seit 18 Jahren auf der Warteliste. Franzreb sagt, die Aufenthaltsfunktion soll aufgewertet und die Verkehrsfunktion zurückgenommen werden.

Am 20. März 1975 bekam der Münchner Verein von der Stadt im Tausch das Gelände des Pfaffbads auf der Südseite des Platzes. Die Vertragspartner waren sich einig, den Pfaffplatz als „Grünanlage mit kleiner Wasserfläche” zu gestalten. Am 16. Juni 1975 fielen die Bagger gemäß Ratsbeschluss über das Pfaffbad her. Der Platz war seiner historischen Kulisse beraubt, und im Laufe der Jahre kamen immer mehr Zettel in den städtischen Kummerkasten.

An Ideen mangelte es nicht, den Pfaffplatz attraktiv zu gestalten: Bereits im Dezember 1950 sagte der Leiter des damaligen Stadtbauamts anlässlich einer Besichtigung der neuen Bau AG-Wohnanlage auf der Westseite, die Stadt plane eine Grünanlage und einen Viereck-Verkehr im Gegensatz zu dem Rund-Verkehr am Fackelrondell, ein Flop.

Eine erste größere Diskussion um die Platzgestaltung wurde im Sommer 1954 öffentlich ausgetragen. Eine Flut von Leserbriefen überschwemmte die RHEINPFALZ. Zu hunderten seien die Wagen am Straßenrand geparkt und jetzt wolle man noch den Pfaffplatz-Parkplatz beschneiden, indem man die Rudolf-Breitscheid-Straße bis zur Pariser Straße verlängere, was später auch durchgeführt wurde. Mitten in die Diskussion platzte ein Beschluss des Bauausschusses: Das Gremium hob 1954 seinen Beschluss von 1951 auf, und die Nordseite entlang der Pariser Straße durfte nicht bebaut werden, was nach dem 1951er-Beschluss erlaubt war. Die Stadt hatte jetzt die Absicht, den Platz in seiner ursprünglichen Größe zu erhalten, einen Omnibusbahnhof einzurichten und dazwischen eine Grünfläche anzulegen, ein Flop.

Der Bauantrag für ein Wohn- und Geschäftshaus auf der Nordseite wurde 1954 wegen der Omnibusbahnhof-Pläne von der Stadt abgelehnt. Vor dem Bezirks-Verwaltungsgericht begann 1955 ein Streit, und am 12. Juni 1961(!) musste die Stadt auf der Nordseite des Platzes den Bau des Geschäftshauses mit Café, Verkaufsraum und Kiosk genehmigen. Es muss festgehalten werden, dass die Stadt nicht im Besitz aller Grundstücke war, um den Platz bis zur Pariser Straße zu gestalten.

Nach der Bau AG-Wohnanlage auf der Westseite hatte auf der Ostseite das Aladin-Kino 1953 Premiere, und die Stadtsparkasse baute 1955 eine Zweigstelle. Das schien einer gedeihlichen Fortentwicklung Schub zu geben. Noch im Oktober 1955 legte die Stadt eine neue Pfaffplatz-Idee vor. Man denke an eine Untertunnelung der Pariser Straße auf Höhe des Pfaffplatzes, Omnibusrampen sollten gebaut werden und eine Wartehalle mit Kiosk. Die angedachte Grünanlage war längst verwelkt. Wieder ein Flop.

Eine weitere Idee stellte die Stadt im Juni 1956 vor: Der „Flaschenhals Pariser Straße” sollte auf Höhe des Pfaffplatzes entlastet werden. Weil der Omnibusbahnhof noch nicht realisiert werden konnte, sollte jetzt die Haltestelle Pfaffplatz verlegt werden und für die Pariser Straße sollte ein beidseitiges Halteverbot eingerichtet werden. Daraufhin wurden die Einbuchtungen auf der Ostseite gebaut, und im Südteil vor dem Pfaffbad richtete die Stadt Parkplätze ein. Das ist, abgesehen vom untergegangen Pfaffbad, ungefähr der aktuelle Stand.

Jetzt muss eine Lanze für die Stadtverwaltung gebrochen werden: Gegen alle Planungen der städtischen Tief-, Hochbauer und Stadtentwickler wurden ausnahmslos Einsprüche erhoben, und es folgten langwierige Verhandlungen, Streitereien und fruchtlose Ratsdiskussionen.

In älteren Stadtplänen ist das Terrain als feuchtes Wiesengelände bezeichnet. Im stadtordnenden Erweiterungsplan von Eugen Bindewald aus dem Jahr 1887 ist die Freifläche eingezeichnet. Einen freien Platz plante die Stadt dort schon 1880, weil sich das Wiesengelände nicht zur Bebauung eignete. Seit etwa 1860 wurden am Platzrand ein Holzhof und ein Sägewerk betrieben. Die Holzstraße führt heute noch vom Kotten direkt zum Pfaffplatz. Ende des 19. Jahrhunderts genehmigte die Stadt auf dem damaligen Wittelsbacherplatz einen kleinen Wochenmarkt. Um dem Platz einen markanten Bezugspunkt zu geben, wurde 1912 mit dem Bau des Pfaffbads begonnen.

Die Fläche, die heute Pfaffplatz heißt, in Pariser Platz umzubenennen, war 1893 vorgesehen, hatte aber keine Chance. Am 21. August 1939 beschloss der Stadtrat, den Wittelsbacherplatz, der seit 1892 diesen Namen hatte, Georg-Michael-Pfaff-Platz zu benennen. Der Name sollte an den Gründer des Pfaffwerks erinnern. In der Praxis schrieb man schon bald G.-M.-Pfaff-Platz. Die heutige Bezeichnung Pfaffplatz wurde nie offiziell beschlossen; sie tauchte erstmals Mitte der 1970er Jahre in einem Wählerverzeichnis auf.

Quelle: „Die Rheinpfalz“

 

Eine Pause in der Altstadt - Der Stockhausplatz ist bei der Altstadtsanierung entstanden

Von Gerhard Westenburger

Platz_Stockhaus Bild1Der Stockhausplatz ist eine Pause in der Altstadt. Er lädt zum Verweilen ein, ob beim Altstadtfest oder im Alltag. Bänke, Bäume und Brunnen schaffen eine angenehme Atmosphäre. Der Platz verdankt seine Existenz dem Sanierungskonzept des Referats Stadtentwicklung. Die bei der Altstadtsanierung untergegangene Stockausgasse aus dem Jahr 1743 hat die Freifläche beim Theodor-Zink-Museum mit ihrem Namen beerbt.

Den Raum um das Haus Rheinkreis, einer ehemaligen Fuhrmannswirtschaft, nach Süden und Osten aufzuweiten, war die Absicht der Sanierungsplaner. So entstand in den Jahren 1980/1981 der Stockhausplatz. Das Theodor-Zink-Museum logiert seit 1978 in dem historischen Gebäude. Als wollte sie sich den Platznamen rechtzeitig sichern, benannte die Stadt das Areal schon 1979, vor Beginn des Ausbaus, Stockhausplatz.

Der Stockhaus-Brunnen, aus Sandstein gehauen von der Zweibrücker Künstlerin Bärbel Hafner, ist ein Geschenk der Gasanstalt aus Anlass ihres 125-jährigen Bestehens. Der Kaskadenbrunnen wurde am 30. Juni 1984 eingeweiht. Eine Bau AG-Wohnanlage umschließt die Südseite und einen Teil der Ostseite des Platzes. Bei der Gestaltung des neuen Freiraums musste auf der Südseite auch das marode Mälzereigebäude der 1890 untergegangenen Brauerei Gelbert abgerissen werden.

Platz_Stockhaus Bild2Nachdem der Platz 1981 fertig war, lag er in stiller Bereitschaft und wartete, was die Lauterer mit ihm machen könnten. Einmalig veranstaltete die Stadt 1985 einen Handwerkermarkt. Ein kleiner Obst- und Gemüsemarkt, der den Platz an wenigen Donnerstagvormittagen belebte, war schon untergegangen.

Der Stockhausplatz. Die Aufnahmen wurden Mitte der 1970er Jahre vom Referat Stadtentwicklung gemacht. Im Bild oben geht der Blick vom heutigen Stockhausplatz nach Osten Richtung Gaustraße, links die mittlerweile renovierte Südfassade des Theodor-Zink-Museums. Das sechsstöckige Gebäude in der Bildmitte ist die Rückseite der Mälzerei der um 1890 untergegangenen Brauerei Gelbert. Beim Bild unten handelt es sich um die Südseite des Areals, wo heute die Bau AG-Wohnanlage steht. REPROS: WESTENBURGER

Quelle: „Die Rheinpfalz“

 

Der Königsplatz ist Kriegsgebiet - Die Straßennamen erinnern an Feldherren aus dem 1870er Krieg gegen Frankreich

Von Gerhard Westenburger

Platz_Koenigs_BildDer Königsplatz ist Kriegsgebiet. Alle Straßennamen im Umfeld des Platzes erinnern an Feldherren, die im 1870er Krieg gegen Frankreich Schlachten geschlagen haben: General Hartmann, General Werder, Generalmajor Orff. Die Königstraße ist nach König Otto I. benannt, der 1870/71 das siegreiche 5. Chevauleger-Regiment führte.

Die Ausbuchtung der Königstraße, die Freifläche zwischen der Orffstraße und der Hartmannstraße, heißt seit den 1920er Jahren im Sprachgebrauch Königsplatz. Das ist keine offizielle Bezeichnung. Seit den 1960er Jahren wird auch die Bezeichnung „Donnerstagsmarkt” verwendet. Ein Wochenmarkt wurde damals vom Pfaffplatz dorthin verlegt.

Der Begriff Königsviertel ist eine neuere Kreation etwa aus dem Jahr 1997, als die Stadt und die Bau AG die Sanierung dieses Stadtviertels in die Hand nahmen. Das Projekt wurde vom Land Rheinland-Pfalz finanziell unterstützt. "

Die Bezeichnung Königsplatz adelt das Viertel, und sie passt zu Lautern, das sich mit einem kaiserlichen Attribut schmückt. Die stilgerecht restaurierte und modernisierte Häuserkulisse rund um den Platz ist ein beliebtes innerstädtisches Bau AG-Wohnquartier mit allen zeitgemäßen Wohnformen: Betreutes Wohnen, Assisted Living, Wohnungen für Singles und Senioren, für Menschen mit Behinderung und für junge Familien. Es gibt eine Kindertagesstätte und ein Stadtteilbüro.

Am 25. März 2010 wurde der Donnerstagsmarkt auf dem neuen Platz wieder eröffnet. Unermüdlicher Betreiber der Idee, den Platz neu zu gestalten, war die Bau AG, die eine weitere Chance sah, sich als Stadtentwickler zu engagieren. Ein Bau AG-Entwurf wurde mit Studenten des Lehrgebiets Grünordnungsplanung der Technischen Universität erarbeitet und mit dem Referat Stadtentwicklung und dem Denkmalschutz abgestimmt. Die endgültige Planung hatte dann das Referat Stadtentwicklung, Abteilung Stadtplanung übernommen. Auch das Referat Tiefbau der Stadtverwaltung leistete einen erheblichen Beitrag zum Ausbau des Platzes.

Baubeginn im Königsviertel war unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg. Das war eine Stadterweiterung nach Westen. Es galt, den freien Raum zwischen Marienkirche und dem Pfaffwerk städtebaulich aufzufüllen. Man musste das so empfunden haben, wie in unserer Zeit die Bebauung des Betzenbergs oder wie das Projekt Universitätswohnstadt. Dieses Areal im Westen der Stadt trug den längst vergessenen Flurnamen „Im Haag”, durchflossen vom Ziegelbach, in dem die Fische flüchteten, wenn die Frauen mit Seifenlauge ihre Wäsche schrubbten.

Der Straßenzug westlich der Marienkirche zum Pfaffwerk hieß nach der ersten Bebauung Verlängerte Königstraße. Der Bauverein hatte im heutigen Platzbereich Häuser errichtet, die von der Bau AG übernommen wurden. Bei diesem neuen Stück Königstraße ergab sich eine Aufweitung, die, wie Zeitzeugen berichten, schon bald den Namen Königsplätzchen erhielt. Ob diese platzartige Aufweitung ursprünglich geplant war, ist zweifelhaft. Jedenfalls ist sie im Bindewald-Plan von 1887 westlich der Marienkirche nicht enthalten. Die von der Königstraße aus gesehen zurückstehenden Häuser wurden um 1920 gebaut, die vorspringenden Häuser zwischen der Hartmannstraße und der Friedrich-Engels-Straße, zum St.-Marien-Platz hin, sind erst um 1924/25 gebaut worden. Sie versperren von dem so entstandenen Platz - nicht von der Straße - den freien Blick auf die Marienkirche. Es ist nicht mehr herauszufinden, ob Hussong ursprünglich beabsichtigte, eine avenue- oder alleeähnliche Straße ab der Kirche, wie im Bindewald-Plan vorgesehen, nach Westen zu führen.

Ist der inoffizielle Name „Königsplatz” Zufall oder war es doch Planungsabsicht Hussongs in Abänderung der Bindewaldschen Straßenführung? In den 1920er Jahren hat die Bau AG mit Hermann Hussong zusammen mit den Architekten Eduard Brill, Alois Loch, Michael Müller und Philipp Spelger das Viertel rund um den Königsplatz entwickelt. Die Handschrift jedes dieser Architekten ist an den unterschiedlichen Fassaden zu erkennen.

Das Königsviertel steht unter Denkmalschutz. Die Verordnung trat am 19. Dezember 1996 in Kraft.

Kaiserslautern wollte eine Königstraße, benannt nach dem bayerischen König Otto I. Der bedauernswerte Otto wurde nach dem Krieg 1870/71 geisteskrank. Er kam unter ärztliche Aufsicht. In die Münchner Frauenkirche stürmte Otto 1875 in Jägerkluft und störte das Hochamt. Zwei Kirchendiener sollen ihn weg-geschleppt haben, seht in einem bayerischen Geschichtsbuch. Sein Zustand habe sich ab 1880 weiter verschlimmert bis er 1883 auf einem Schloss weggesperrt worden sein soll. Lautern wartete noch ein paar Jahre und gab dann, weiß der Teufel warum, 1896 der Königstraße ihren Namen, Otto I. zuliebe. Welcher echte Lauterer kennt nicht den Ausspruch: „Du bisch e bissje Ottosche” und tippt sich dabei an die Stirn?

Während des Dritten Reichs hieß die Königstraße Ludendorffstraße, nach dem preußischen General Erich Ludendorff. Auch die Hartmannstraße erhielt 1896 ihren Namen. Sie wurde nach dem aus Maikammer stammenden bayerischen General Jakob, Freiherr von Hartmann benannt. Er war Heerführer in den Schlachten, die sich Deutsche und Franzosen 1870/71 lieferten. Die Werderstraße wurde 1899 nach dem preußischen General August Graf von Werder benannt. Er hatte 1871 eine Schlacht bei Belfort gegen die Franzosen gewonnen. Der Name Orffstraße, den die Stadt 1911 vergab, ist dem Generalmajor von Orff zugeordnet. Er war Chef der 2. bayerischen Infanteriebrigade.

Die einzigen Straßennamen in diesem Stadtquartier, die man mit Ruhe, Frieden und sozialem Engagement in Verbindung bringen kann, sind der St.-Marien-Platz und die Albert-Schweitzer-Straße.

Quelle: „Die Rheinpfalz“

 

Der Stiftsplatz

Platz_Stifts11Der Stiftsplatz ist neben dem Schillerplatz und dem St.-Martins-Platz einer der zentralen öffentlichen Plätze. Um 2000 wurde er aufwendig renoviert und dient heute als Platz für Großveranstaltungen. Unter dem Stiftsplatz befindet sich eine Tiefgarage. Angrenzend befindet sich die Stiftskirche und Cafés. Am Stiftsplatz finden sich ferner eine Reihe von Banken und Sparkassen (Bayerische Vereinsbank, Deutsche Bank, LBS, Stadtsparkasse, Volksbank).

Seit vielen hundert Jahren werden Wochenmärkte um die Stiftskirche herum abgehalten. 1929 fotografierte Turgetto den Wochenmarkt auf dem Stiftsplatz, wo dieser seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bis auf den heutigen Tag stattfindet. Jeden Dienstag und Samstag erfreuen sich die Bürger an dem reichhaltigen Angebot an Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch, Käse, Eiern und Geflügel. Die Einrichtung dieses Platzes für die Abhaltung eines Lebensmittelmarktes wurde 1850 vom Stadtrat beschlossen und in den folgenden Jahren bis 1860 vollzogen. Einst umsäumten zahlreiche markante Gebäude den Stiftsplatz, wie etwa der "Karlsberg", die Königliche Filialbank, die Pfälzische Bank, die Rheinische Kreditbank oder die Spittelmühle. Sie sind fast alle dem Zweiten Weltkrieg oder dem nachkriegszeitlichen Städtebau zum Opfer gefallen.

Mit Pferdefuhrwerken kamen die Marktbeschicker, meist Selbsterzeuger, vom Land in die Stadt und boten ihre Erzeugnisse an. Ihre "geparkten" Planwagen vor der Spittelmühle im hinteren Zentrum des Bildes erinnern hier fast an eine Wagenburg aus Wildwestfilmen. Die Waren selbst scheinen eher geeignet, Grundbedürfnisse zu befriedigen. Exotische Früchte, Wurst- und Honigstände sucht man vergebens. Und die nach unserer Auffassung verkaufspsychologisch so wichtige Präsentation? Wie man sehen kann, genügten das Straßenpflaster, ein Sack, ein Korb, eine Karre oder ein Korbwagen vollauf. Urig war's eben noch. Ganz nebenbei gibt die Aufnahme aber noch mehr her. Wie man besonders an den Frauen erkennen kann, spiegelt das Marktleben hier auch gesellschaftliche Strukturen wider. Da steht die Landfrau mit rustikaler Schürze und Kopftuch, das Dienstmädchen - bei der Herrschaft "in Stellung" - macht Einkäufe, und die Arbeiterfrau ist ebenso vertreten wie die "Gnädige" in modisch eleganter Aufmachung. Der Markt war (und ist?) eben doch mehr als nur Markt.

Das Bild aus den 60er Jahren zeigt in der Tat einen anderen Stiftsplatz als den, dem man heute oft nachtrauert, wenn man den Namen nennt. Aber sein "endgültiges Gepräge", wie manche glaubten oder befürchteten, erhielt er durch diesen Bau dennoch nicht. Inzwischen gehört auch das Kaufhausgebäude mit seiner einfallslosen Architektur und seiner nichtssagenden "Schauseite" der Geschichte an. Umgestaltungen haben stattgefunden, der "Stiftsplatz 5" ist daraus entstanden..., und wenn nicht alles täuscht, wird auch das noch nicht das Ende der Geschichte sein.

Relativ spät wurde vor einigen Jahren die Architektur der 50er Jahre wiederentdeckt. Für das wohl kurioseste Beispiel der Baukunst jener Zeit kommt das neuerwachte Interesse der Denkmalschützer in Kaiserslautern allerdings zu spät. Der legendäre "Milchpilz", der einst die Nord-Ost-Ecke des Stiftsplatzes zierte, ist leider längst verschwunden. Der 1952 zum Zwecke der Milchwerbung aufgestellte Kiosk diente zunächst der Milchzentrale als Verkaufsstelle, bevor er in eine Trinkhalle umfunktioniert und schließlich in den Pavillon integriert wurde, den heute die Technischen Werken als Energieberatungszentrum nutzen.

Quelle: „Die Rheinpfalz“

 

Das Waldschlösschen,

Bild208ein Lokal mit Pavillon und Biergarten, wurde 1869 von dem Gastwirt Daniel Münch gebaut. Die Gastwirtschaft, auf dem Foto hinter dem Brunnen, war als stadtnahes Ausflugsziel gedacht, als erste Station zur Einkehr für Leute, die nach längeren Waldspaziergängen eine Erfrischung suchten. Platzkonzerte gab es über Sommer im Biergarten. Weil das Waldschlösschen unmittelbar am beginnenden Wald gebaut wurde, hat sich der Name der Gaststätte auf das gesamte Umfeld übertragen, so, wie er heute noch in Gebrauch ist, obwohl es die Gaststätte schon lange nicht mehr gibt.

Die Straße Am Waldschlösschen erinnert daran. Die Stadt setzte einen namenlosen Brunnen des Kaiserslauterer Bildhauers Heinrich Bernd 1895 zwischen die Gaststätte und den beginnenden Wald. Dieser Brunnen stand bis dahin in der Grünanlage, auf dem heutigen Philipp-Mees-Platz vor dem Polizeipräsidium. Der Brunnen erhielt jetzt den Namen „Albrechtsbrunnen”, als Erinnerung an König Albrecht, der 1303 Lautern den südlichen Stadtwald geschenkt hat. Im Jahr 1911 bekam der Brunnen als Krönung eine Sandsteinplastik, „Knabe mit Ferkel”, des Bildhauers Adolf Bernd. Dieses Accessoire soll an das ehemalige Recht der Lauterer zur Eichelmast der Schweine erinnern.

Auf dem Foto aus dem Archiv der Stadtsparkasse, das 1905 aufgenommen wurde, ist der Brunnen noch mit Fabelwesen gekrönt. Ärger mit dem Waldschlösschen bekam die Stadt Anfang der 1870er Jahre. Das Dirnenunwesen hatte nach dem gegen Frankreich gewonnenen Krieg in Lautern Hochkonjunktur wie in den 1950er Jahren nach dem verlorenen Krieg. Das Waldschlösschen war Standplatz der „Waldnymphen”, wie die Damen damals genannt wurden. In den 1950er Jahren hießen die Damen mit Standplatz Steinstraße „Veronikas”.

Quelle: „Die Rheinpfalz“

 

Nur die Sanierung schafft Ordnung - Der Unionsplatz steht nicht im Straßenverzeichnis der Stadt

Von Gerhard Westenburger

Platz_Unions_BildBei der Altstadtsanierung ist der Unionsplatz entstanden. Die Bezeichnung ist nicht im Straßenverzeichnis von Kaiserslautern zu finden. Durch das Altstadtfest hat sich die verwinkelte Freifläche zwischen der Kleinen Kirche und dem Marhofferschen Sälchen beim St.-Martins-Platz einen Namen gemacht.

An der Kleinen Kirche vorbei verbindet die Unionsstraße die Martin-Luther-Straße mit der Straße Rittersberg. Von der Unionstraße bekam der Platz im Sprachgebrauch seinen Namen. Trotz der Bemühungen in den 1970er und 1980er Jahren, in der Altstadt möglichst nur einzelne Objekte zu sanieren, konnte um den heutigen Unionsplatz nur eine umfangreiche Flächensanierung Ordnung schaffen. Der Baubestand östlich und südlich der Kleinen Kirche stammte aus dem 19. Jahrhundert.

Eines der größten maroden Gebäude gehörte zu der 1860 gegründeten Brauerei Marhoffer. Die Braurechte haben die Erben des Gründers Karl Marhoffer 1936 an die Bayerische Brauerei Kaiserslautern (BBK) übertragen. Der Braubetrieb in der Kirchenstraße - der heutigen Unionstraße - wurde nach und nach bis Ende der 1930er Jahre eingestellt. Die Gebäude wurden noch bis kurz vor dem Abriß als Lagerhaus einer Kaiserslauterer Eisenwarenhandlung genutzt. Neubauten gruppieren sich heute entlang der Unionstraße in angemessener Distanz zur Kirche. So entstand der Unionsplatz. Der Freiraum wertet die Kleine Kirche optisch auf.

Die Unionstraße erhielt im Jahr 1972 ihren Namen. Bis dahin hieß sie Kirchenstraße, weil sie zur Kleinen Kirche führte, die von 1711 bis 1717 von den Lutheranern gebaut wurde. Eine noch frühere Benennung gibt Aufschluß über die historische Bedeutung dieses Areals: Conventsgasse hieß das Sträßchen um 1670, benannt nach dem im 12. Jahrhundert gegründeten Beginenkonvent. Das war eine Art Frauenorden, eine Gemeinschaft unverheirateter Frauen und Witwen. Sie führten mit großem sozialem Engagement ein klösterliches Leben, jedoch mit teils mystisch orientierter Laienfrömmigkeit. Das geht aus der Stadtliteratur hervor.

Platz_Unions1„Kritisch” habe die katholische Kirche diese Institution beobachtet. Aus heutiger Sicht könnte man diesen Frauenorden, wie Kaiser Barbarossas um 1176 gegründetes Hospital der „Heiligen Maria”, als eine der ersten sozialen Einrichtungen in Kaiserslautern bezeichnen. Barbarossas Hospital war allerdings eine von Prämonstratenser-Mönchen getragene Einrichtung.

Das Foto links wurde 1971 in der damaligen Kirchenstraße, der heutigen Unionstraße, aufgenommen. Das Backsteingebäude gehörte zu der 1860 gegründeten Brauerei Marhoffer. Der Blick geht etwa von der Kleinen Kirche (rechts außerhalb des Fotos) in Richtung Martin-Luther-Straße. Zur Orientierung ein aktuelles Foto aus derselben Perspektive. REPROS: Westenburger

Quelle: „Die Rheinpfalz“

 

Die 4. Pfälzische Industrie- und Gewerbeausstellung

Bild209wurde am 1. Juni 1905 rund um das Pfälzische Gewerbemuseum, die heutige Pfalzgalerie, veranstaltet. Auf dem Foto aus den Beständen des Theodor-Zink-Museums ist das „Westliche Ausstellungsrestaurant” mit einem Musikpavillon abgebildet. Dieser Komplex nahm den größten Teil der Fläche zwischen der heutigen Villenstraße, dem Museum und der Morlauterer Straße ein. Das Privathaus mit dem Walmdach, links im Bild, steht heute noch fast unverändert in der Morlauterer Straße. In den Zeitungen stand, die Stadt habe die Museumsstraße, die heutige Martin-Luther-Straße, geöffnet, eine Wasserleitung (!) gelegt und sie habe Straßenzufahrten planiert. Die 1. Industrieausstellung wurde 1843 veranstaltet. In den Zeitungen stand: „600 Unternehmer, Fabrikanten und Handwerksbetriebe stellen aus.” 1860 lud die Stadt zur 2. Pfälzischen Industrie-Ausstellung ein. Die dritte wurde 1872 arrangiert. Sie begann gezielt am 14. Juli, dem Nationalfeiertag des gerade besiegten Frankreichs. Die Chemie war fast nicht mehr vertreten. Ludwigshafen hatte Lautern den Rang abgelaufen. Die Seifensiederei L. Stefany produzierte einen lebensgroßen Barbarossa aus Seife. Danach gabe es einen langen Leerlauf, bis 1925 die Ausstellungshallen an der Enterweilerstraße gebaut wurden. Dann wieder Leerlauf, bis Anfang der 1950er Jahre das „Sortiment der Fresswelle” präsentiert wurde: Kochlöffel, Gemüseraspeln und Handmixer. Diese Ausstellungen fanden in der später abgerissenen Löwenburg an der Bremerstraße, in der Alten und Neuen Eintracht statt. 1985 kam die Verbraucherausstellung Pfälzer Land nach Kaiserslautern. (urg)

Quelle: „Die Rheinpfalz“

 

Eine kleine Fläche mit einem Brunnen - Den Karl-David-Hofmann-Platz kennt weder die Taxizentrale noch der Busfahrer

Von Gerhard Westenburger

Karl-David HoffmannPlatz1Karl-David-Hofmann-Platz? Die Taxizentrale kennt ihn nicht. Die freundliche Mitarbeiterin macht einen Rundruf. Kein Taxifahrer scheint zu wissen, wo der Platz ist. Die Mitarbeiterin empfiehlt das Internet. Eine gute Empfehlung. Karl-David-Hofmann-Platz? Der Busfahrer am Fackelrondell: „Sie sinn do in Lautre und net wäß de Deiwel wo!” Zugegeben, der Platz steht nicht im Straßenverzeichnis, er ist nicht offiziell gewidmet.

Karl-David-Hofmann-Platz? Eine kleine Freifläche mit einem Brunnen und ein paar Bänken im Bahnheim, umklammert von den Hausnummern 19 bis 29. Den Platz gibt es real, seit die Siedlung in den 1920er Jahren gebaut wurde. Auf dem Papier, auf dem „Lageplan der Wohnungskolonie Bahnheim Kaiserslautern” aus dem Jahr 1915 ist er erstmals eingezeichnet. Der Platz hat eine Besonderheit: Auf seiner Nordseite hat er Bahnanschluss. Man könnte sagen, wie der Guimaraes-Platz, den die Leute meinst noch Bahnhofsplatz nennen. Es sind gerade mal hundert Meter vom Karl-David-Hofmann-Platz bis zur S-Bahn-Haltestelle Kennelgarten. Das ist die Linie 1 der S-Bahn Rhein-Neckar. Auch auf der Südseite der Siedlung Bahnheim stimmt die Verkehrsinfrastruktur. Dort verläuft die Pariser Straße.

Die Wohnungskolonie Bahnheim Kaiserslautern wurde in den 1920er Jahren nahe der Bahnlinie gebaut. Das hatte mit der Nähe zum Arbeitsplatz zu tun, wie die Kammgarnhäuser auf dem Kotten. Die Bahn war einst größter Arbeitgeber in Kaiserslautern. Im Eisenbahn-Ausbesserungswerk, dem ehemaligen Reichsbahn-Ausbesserungswerk (RAW), waren hunderte Arbeiter beschäftigt. Das Ausbesserungswerk liegt unmittelbar westlich des Bahnheims.

Der Haltepunkt Kennelgarten wurde schon sehr früh eingerichtet. Die Nähe zum Karl-David-Hofmann-Platz ist Zufall. In Lautern gab es jedoch in der Vergangenheit zwei Versuche, die Bahngleise planerisch gezielt zu Plätzen zu führen: Die Straßenbahngesellschaft hatte die breite Spur der Reichsbahn gewählt, um mit Güterwagen vom Westbahnhof aus den Markt auf dem Stiftsplatz bedienen zu können. Die Idee scheiterte wegen der zu engen Kurven beim Schillerplatz. Der zweite Versuch stammt aus den 1980er Jahren, eine Citybahn vom Westbahnhof zum damaligen Rathausplatz, dem Willy-Brandt-Platz, zu führen.

Der erste Spatenstich zum Bau der Siedlung Bahnheim nach dem Vorbild der damaligen „Gartenstadt-Idee” wurde im Juli 1920 vollzogen. Die Häuser seien in „halboffener Bauweise” errichtet worden, steht in Bahnheim-Broschüren. Vielleicht sollte sich mit der zunächst noch namenlosen Freifläche ein Kommunikationszentrum ergeben. Die Siedlung ist in den Jahren 1922 bis 1928 in weiteren Bauabschnitten in „geschlossener Bauweise” erweitert worden.

Karl-David HoffmannPlatz2Die Baugenossenschaft Bahnheim wurde am 28. August 1910 gegründet. Sie feierte im Jahr 2010 ihr hundertjähriges Bestehen. Aus Anlass des 20-jährigen Bestehens im Jahr 1930 stiftete die Genossenschaft einen Springbrunnen. Er steht auf der Ostseite des Karl-David-Hofmann-Platzes. Vier eingemeißelte Wappen zieren ihn: das bayerische Staatswappen, ein Flügelrad als Symbol der Eisenbahn, ein Stadtwappen und ein Reichsadler. Auf der Westseite trägt ein Findling den Platznamen.

Karl David Hofmann war von 1922 bis 1934 Geschäftsführer und erster Vorstand der Genossenschaft. Hoffmann stammte aus einer Eisenbahnerfamilie. Er selbst war seit 1894 Bediensteter der Königlich-Bayerischen Staatsbahn. Ab 1920 betätigte er sich auch politisch in der freiheitlich demokratisch orientierten Deutschen Volkspartei. Konflikte mit den Nationalsozialisten wurden ihm unerträglich. Im Jahr 1934 ließ er sich nach einer Zwangsversetzung in den Ruhestand versetzen.

Zum ihrem hundertsten Geburtstag, 2010, hatte die Baugenossenschaft einen Genossenschaftspreis zur Neugestaltung des Karl-David-Hofmann-Platzes ausgelobt. Der Entwurf, der die ursprüngliche Atmosphäre des Platzes beibehält, erhielt den ersten Preis. Die Umsetzung des Entwurfs wird von den künftigen finanziellen Gegebenheiten abhängen.

Quelle: „Die Rheinpfalz“

 

Die Kröten sind „untergetaucht” - Der Maxplatz war einer der ältesten Plätze der Stadt und existiert heute nicht mehr

Platz_Max1Der Maxplatz war einer der ältesten Plätze der Stadt. Er ist untergegangen wie das Eisplätzchen. Der Rathausneubau hat ab 1964 die beiden Flächen Zug um Zug in Anspruch genommen, den Maxplatz auf der Nordseite und das Eisplätzchen auf der Westseite.

Die Lage des Maxplatzes lässt sich an der aktuellen Situation noch gut definieren: Auf der Südseite des untergegangenen Platzes ist heute der Parkplatz Nord des Rathauses und auf der Westseite die ehemalige Maxschule, das Rathaus West. Auf der Nordseite verläuft die Ludwigstraße mit dem Gebäude der Kreisverwaltung und dem Rathaus Nord, dem ehemaligen Gerichtsgebäude. Durch die weiterführende Ludwigstraße ist die Ostseite heute unbebaut.

Die ehemalige Umgebung des Maxplatzes hatte sich im Laufe seiner etwa 145-jährigen Geschichte immer wieder verändert, wie die Benennung und die Schreibweise. Der Platz hatte seine Existenz wahrscheinlich dem Bau des bayerischen „Centralgefängnisses zur Unterbringung schwerer Verbrecher” zu verdanken. Das Gefängnis wurde von 1821 bis 1823 auf dem heutigen Areal des Rathauses gebaut. Die vorbereitenden Arbeiten haben 1820 begonnen. Das ist aus den Akten und aus der Literatur über den Gefängnisbau in Kaiserslautern im Bayerischen Rheinkreis zu ersehen.

Mit dem Abraum der Gefängnisbaustelle - möglicherweise auch Material des ehemaligen Casimirschlosses oder der Barbarossaburg - wurde ein Teil der Wiesen nördlich der Baustelle aufgefüllt. So entstand aus einer nassen Wiese 1820 der Maximilian-Josephs-Platz. Auf dem Stadtplan von 1823 ist er mit diesem ersten Namen benannt. Der Pfalzgraf Maximilian, seit 1806 König von Bayern, war der Namensgeber. Auf einem Plan des Kriegsarchivs München aus dem Jahr 1835 ist die Fläche als Maximilians-Platz bezeichnet. Auf der Westseite des aufgefüllten Terrains, des neuen Platzes, steht in diesem Plan von 1835 „Ehemaliger See, gegenwärtig nasse Wiesen”. Die Nordseite wurde von der „Straße von Lauterecken”, der heutigen Ludwigstraße, gebildet und auf der Ostseite gab es Gärten und nutzbare Wiesen. Auf dem Stadtplan von 1900 taucht die Bezeichnung Max Platz zum ersten Mal auf und auf den Plänen ab 1915 in der Schreibweise Maxplatz. Das Gefängnis war schon 1909 aufgelöst worden. Nach dem Einzug des Militärs im Jahr 1915 hießen die Gebäude Schlosskaserne.

Platz_Max2Von der ehemaligen Randbebauung des Maxplatzes ist nur noch das Gebäude der Maxschule vorhanden. Die Schule wurde 1852 gebaut. Für Mädchen und Buben gab es getrennte Eingänge. Die beiden Treppen sind noch erhalten. Das Gebäude wird heute als Rathaus West von einem Teil der Verwaltung des Sozialdezernats genutzt. Fälschlicherweise ist immer noch die Rede von der „großen Maxschule” im Gegensatz zu dem südlich davon stehenden kleineren Gebäude, das als „kleine Maxschule” bezeichnet wird. Dieses kleinere Gebäude, ebenfalls an der Maxstraße, wurde 1871 für die Ackerbauschule gebaut. Abgesehen von einer gewissen Ähnlichkeit der Fassaden haben die beiden Gebäude hinsichtlich ihrer Nutzung nichts miteinander zu tun. Eine große und eine kleine Maxschule gab es nie.

Entlang der Ludwigstraße, der ehemaligen Nordseite des Maxplatzes, gab es von der Straße Am Abendsberg bis zur Einmündung der heutigen Straße Benzinoring einige schmucke Bürgerhäuser und Ecke Benzinoring stand der Bau des Landgerichts. Ein Teil dieser Bebauung wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt. Ein weiterer Teil wurde beim Bau der neuen Kreisverwaltung und des Gerichtsgebäudes, Ende der 1950er Jahre, abgerissen und der Rest beim Ausbau der B40, der Ludwigstraße, als Bestandteil der Nordtangente im Jahr 1965.

Was Alt-Lautern betrifft, hatte der untergegangene Maxplatz und sein Umfeld viel zu bieten: Eine kleine „Industrieausstellung für den Bezirk des Königlich-bayerischen Land-Commissariats Kaiserslautern” wurde 1858 veranstaltet. Die Stadt hatte diese Ausstellung in der Maxschule eingerichtet. Kaiserslautern boomte als Industriestadt. Die Möbelindustrie war vertreten, Textilbetriebe, die chemische Industrie und vor allen Dingen Maschinen und Lederprodukte. Das naturhistorische Museum auf der Ostseite des Platzes war eine ständige Einrichtung. Das Museum wurde 1834 vom Naturhistorischen Museumsverein gegründet. Das Sammelgebiet betraf naturkundliches Material aus allen Erdteilen mit Schwerpunkt Zoologie.

Auf dem Maxplatz gab es einen Pferdemarkt. Noch bis Mitte der 1920er Jahre verkauften die Händler per Handschlag die Gäule. Den Maxplatz hatte die Stadt ab 1936 als Kerweplatz ausgesucht. Die Kerwe fand vorher auf dem Stiftsplatz und ab Mitte der 1920er Jahre eine Zeitlang bei dem Ausstellungspark an der Entersweilerstraße statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg holte man die Kerwe vom Maxplatz zunächst wieder auf den Stiftsplatz. Einen Christbaummarkt gab es schon vor dem Ersten Weltkrieg auf dem Maxplatz. Ab Mitte den 1930er Jahre wurde der „Christbaummarkt hinter der Schlosskaserne” nicht mehr so recht angenommen. Die Stadt verlegte ihn auf die Südseite des Eisplätzchens, wo er zusammen mit einem kleinen Weihnachtsmarkt noch ein paar Jahre bis Kriegsbeginn gut gelaufen ist.

Auf der Südostecke des Platzes stand der Froschbrunnen. Das Wasser konnte man trinken. Die Leitungen waren an die Wasserversorgung angeschlossen. Der Bildhauer Adolf Bernd hatte den Brunnen gestaltet. Er sollte ein Schmuckstück für eine 1914 geplante Gartenbau-Ausstellung auf dem Maxplatz sein. Weil der Erste Weltkrieg ausbrach, fand die Ausstellung nicht mehr statt. Der achteckige Brunnen hatte einen aus Muschelkalk gehauenen Mittelblock, der an vier Ecken mit wasserspeienden Kröten besetzt war, gekrönt mit einer Putte und einem Fisch. Trotz der vielen Veränderungen um den Maxplatz spien die Frösche das Trinkwasser bis 1962 in die Brunnenschalen. Dann brach die Stadt den Brunnen ab, weil er einem neuen Kanal im Wege stand. Über den Verbleib der Kröten ist nichts bekannt. Aufgrund einer Anfrage im Rat über den Verbleib der Kröten hat die Stadt in den 1970er Jahren geantwortet, dass sie „untergetaucht” seien.

Quelle: „Die Rheinpfalz“

 

Im Westen der Stadt war die Industrie

Bild210seit Mitte des 19. Jahrhunderts besonders stark konzentriert. Diese Aufnahme machte ein Fotograf der Druckerei „Heiss & Co, Cöln a. Rh.” um 1912/1913. Er wollte offensichtlich zeigen, dass es der Industriestadt Kaiserslautern gut geht. Die Aufnahme aus dem Archiv der Stadtsparkasse ist etwa vom heutigen Fauthweg bei der Straße Wolfsangel auf dem Lämmchesberg gemacht worden.

Rauch und Ruß über der Stadt bedeuteten Wohlstand. Je mehr Industriedunst über der Stadt, umso besser. In Kaiserslautern gab es vor dem Ersten Weltkrieg viel zu tun. Sogar die seit 1871 „zurückeroberten” Regionen Elsass-Lothringen waren Exportziele der Lauterer Industrie. Im Vordergrund der Aufnahme ist ein Stück der Zollamtstraße mit einem Gleis und einem Güterwagen, ganz rechts, zu sehen. Dieses Gleis führte zu dem ehemaligen Zollamt, rechts außerhalb der Aufnahme. Der gesamte Mittelgrund wird vom ehemaligen Güterbahnhof mit den Gleisen und Lagerhallen der Güterabfertigung und den Dampflok-Schuppen beherrscht.

Dann geht der Blick durch Dunst und Rauch über das städtische Elektrizitätswerk nach links zur Goetheschule im Hintergrund und nach rechts zur Marienkirche, die 20 Jahre zuvor fertig gestellt worden war und zur Apostelkirche, die zehn Jahre vor dieser Aufnahme eingeweiht wurde. Und wie sah es hinter den Kulissen der Industriestadt Kaiserslautern aus? An der Tagesordnung waren 14 Arbeitsstunden. Die Tuberkulose grassierte. Täglich wurden erkrankte Kinder in das 1914 gebaute Erholungsheim bei der Entersweilerstraße „in die frische Waldluft” gebracht. Noch 1936 (!) gab es 914 Neuerkrankungen an Tuberkulose.

Die 15 Jahre vor dieser Aufnahme in Kraft getretenen „Ortspolizeilichen Vorschriften” verboten den Fuhrleuten während der Fahrt zu schlafen oder mit der Peitsche nach den Passanten zu schlagen. Der Paragraph 135 verbot, Hunde in das Stadttheater mitzubringen, und nach Paragraph 14 durfte man das Geflügel nicht auf öffentlichen Plätzen laufen lassen. Der Viehtrieb durch die Stadt wurde erst 1926 verboten. (urg)

Quelle: „Die Rheinpfalz“

 

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