Alte Stadtansichten Album 12

Die Bahnhofstraße.
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Diese Postkartenaufnahme der Bahnhofstraße und des Hauptbahnhofs gehört zu den Beständen des Stadtarchivs. Die um 1910 bis 1912 entstandene Aufnahme wurde graphisch nachbearbeitet, Linien und Konturen verstärkt. Diese Technik wurde besonders für den Postkartendruck angewendet, um den „Kunstwert“ zu erhöhen. Die Eisenbahn kam 1848 nach Kaiserslautern. Die Bahnhofstraße wurde schon 1847 während des Eisenbahnbaus angelegt. Die Straße erhielt aber erst 1879 den Namen Bahnhofstraße. Im Jahr 1849 wurde zunächst die heutige Riesenstraße in Bahnhofstraße benannt. Das Hauptbahnhofsgebäude wurde 1876 gebaut. Am 18. Dezember 1944 wurde es bei einem Luftangriff völlig zerstört. Bis zum Aufbau des neuen Bahnhofs, 1958, begnügte sich Kaiserslautern mit den „Bahnhofsbaracken“. Rechts im Bild steht das Bahnhofshotel, der spätere Brenner-Komplex. Die Kutschen links im Bild holen möglicherweise Hotelgäste ab. Die Kutschen der Hotels trugen jedoch meist Aufschriften mit dem Namen des Hotels, was auf diesen Kutschen nicht zu sehen ist. Es könnte sich daher auch um eine Art „Pferdetaxi“ handeln.
 

Der Nordbahnhof.
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Auf dieser Fotografie ist der Nordbahnhof als Fachwerkgebäude zu erkennen. Er wurde 1874 gebaut. Die Aufnahme dürfte zwischen 1880 und 1890 entstanden sein. Das später errichtete Sandsteingebäude des stillgelegten Bahnhofs ist heute südlich der Mainzer Straße im Winkel zwischen der Nordbahn- und der Gabelsbergerstraße zu finden. Sechs Jahre nach dem Bahnhofsbau, 1880, wurde die Nordbahn, die Strecke Kaiserslautern über Enkenbach Richtung Worms in Betrieb genommen, die Hauptstrecke Bexbach bis Ludwigshafen schon 1848/1849. Zusammen mit der Lautertalstrecke im Westen ergab sich dann, bis auf die Nordseite der Stadt, ein die Stadtentwicklung zunächst hemmendes „Gleiskorsett“ um Lautern. Als die Nordbahnstrecke 1880 eingeweiht wurde, feierte die ganze Stadt. Mit Abfahrt des Zuges auf dem Hauptbahnhof um 5.30 (!) Uhr wurden auf dem Rotenberg Böller abgeschossen. Wie in der Zeitung stand, erwartete „eine riesige Menschenmenge“ den Zug am Nordbahnhof. Bis dort hin brauchte er zehn Minuten. In Enkenbach stieg eine Musikkapelle zu. Der Gegenzug traf um die Mittagszeit in Lautern ein. Zum Abschluß gab es ein großes Fest in der Brauerei Bender.
 

Die Kammgarnhäuser.
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Armseliges Kaiserslautern? Nein, fortschrittliches, sozial engagiertes Kaiserslautern! Diese „Kammgarnhäuser“ wurden 1874 auf dem Kotten gebaut. Sie haben die Bombenangriffe überstanden. Abgerissen wurden sie Mitte der 1970er Jahre, als der Sportplatz und die Turnhalle für die Kottenschule gebaut wurden. Kurz vor dem Abriß muß diese nicht genau datierte Aufnahme aus dem Stadtarchiv gemacht worden sein. Franz Flamin Meuth, der 1857 die Kammgarnspinnerei AG Kaiserslautern gründete, und ihr Direktor, Jean Schoen, waren sozial engagierte Menschen.
 

Der Wiesenplatz.
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„Wiesenplatz“ ist kein offizieller Straßenname, und trotzdem ist der Name auf dem Stadtplan zu finden. Das ist gut so. Damit gerät der Name dieser kleinen uralten Freifläche mitten in der Stadt nicht in Vergessenheit. Auf der Nordseite wird, wie es jeder Lauterer kennt, das „Wisseplätzje“ von der Wiesenstraße begrenzt, im Osten von der Eichenstraße, im Westen von der Krimmstraße. Die Begrenzung im Süden durch die Kanalstraße gibt einen etwas tieferen Einblick in die im Grunde ereignislose Geschichte dieser Freifläche. Die Lauter floß entlang der Wiesenstraße, die bis 1879 „Auf dem Wiesenpfad“ hieß, dann quer über den Wiesenplatz, machte an der heutigen Ecke Albrecht- und Kanalstraße einen Knick und floß dann weiter durch die Kanalstraße. Ab hier wurde sie Ende des 19. Jahrhunderts unterirdisch weitergeführt. Den alten Lauterern erzählten ihre Großväter, daß die Lauter am „Wisseplätzje“ verhältnismäßig breit gewesen sei. Als Buben seien sie hinein gestiegen und hätten mit den bloßen Händen Fische „gedatscht“. Die offene Fassung des Flüßchens als „Abwasserkanal“ ab der Kanalstraße wurde schon 1720 angelegt. Das Foto aus dem Stadtarchiv wurde 1934 von der Ostseite des Platzes her aufgenommen; links im Bild ist die Kanalstraße, Ecke Albrechtstraße mit einem 1926 gebauten Bau-AG-Block.
 

Nicht zu erkennen: die Nordseite der Reichswaldstraße.
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Die Aufnahme aus dem Bau-AG-Archiv ist kurz nach dem Ersten Weltkrieg gemacht worden, als man in der Stadt von „Wohnungselend" sprach. Vor dem Zuzug nach Kaiserslautern wurde in den Zeitungen offiziell gewarnt. Die Leute bauten sich kleine Baracken, „Nissenhütten", um eine Unterkunft zu haben. Die Stadt wucherte unkontrolliert nach Westen. Als die Soldaten nach dem Krieg zurückkamen und sahen, was da draußen entstanden war, sagten sie, da sehe es aus, wie auf der „Lorettohöhe" (auch „Loretohöhe" geschrieben). Diese Bezeichnung ist manchmal heute noch in Gebrauch. Sie erinnert an ein Schlachtfeld während des Ersten Weltkriegs. Die Reichswaldstraße wurde 1920 „geordnet" und bekam wegen der Nähe des westlichen Reichswalds ihren Namen. Sie war im Grunde ein Teil der Pariser Straße, die in gerader Linie am „Kennelgarten" und am „Lothringer Hof" vorbei direkt zum Bahnheim und den damaligen „Bahnwerkstätten" führte. Heute macht die Pariser Straße am „Lothringer Ecke" einen Schwenk nach Südwesten.
 

Die Matzenstraße.
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Wenn man von Westen, von der Klosterstraße her, um 1935 in die Matzenstraße schaute, bot sich dieses Bild, wie es auf dem Foto aus dem Stadtarchiv zu sehen ist. Das ist original Kaiserslauterer Altstadtatmosphäre. Der „Umbau" der Altstadt begann erst 1976. Diese Matzenstraßen-Kulisse ist heute völlig verändert und kaum wieder zu erkennen. Im Jahr 1870 wurde das Sträßchen zunächst Matzengasse benannt. Es war aber schon um 1840 als Matzenberg im Sprachgebrauch. Das soll ein Spottname für das damals als ärmlich geltende Dorf „Carlsberg" bei Grünstadt gewesen sein, den man auf dieses Lauterer Wohnquartier übertragen hatte. Nicht genug, die Lauterer Bürger trugen auch noch etwas zum Spott über dieses Sträßchen bei. Sie sagten, in der Matzengasse seien die Häuschen so niedrig, daß die Leute ihre Hausschlüssel in die Dachrinne legten, wenn sie weggingen. Keine Quelle weist übrigens darauf hin, daß die Matzenstraße etwas mit den Brotfladen, einer jüdischen Speise aus ungesäuertem Teig, zu tun hat.
 

Das alte Stadttheater.
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Es stand Ecke heutiger Karl-Marx-Straße (ehemals seit 1862 Theaterstraße) und Gasstraße. Andreas Müller, der „Spittelmüller", der Müller am ehemaligen Spital, an den heute noch der Spittelbrunnen am Stiftsplatz erinnert, war 1862 als Mäzen und freigiebiger Kunstfreund der Erbauer des Theaters. Das Haus fiel 1867 einem Brand zum Opfer. Der Spittelmüller zeigte sich wieder als großzügiger Finanzier eines neun Hauses, so, wie es bis zu seiner Zerstörung bei den beiden Bombenangriffen im August und September 1944 erhalten blieb. Das Foto aus dem Stadtarchiv stammt aus dem Jahr 1938. Man liest immer wieder einmal, daß das alte Theater 1200 Plätze gehabt habe. Das stimmt wohl, aber es wird vergessen zu erwähnen, daß ein großer Teil davon Stehplätze(!) waren, die in der Anfangszeit des Stadttheaters sehr begehrt waren. Sie waren billig, und man mußte keinen „Selbstbinder" oder „Querbinder" tragen. Das galt nur für die Herrschaften, die Sitzplätze hatten. „Au, du hasch e ,Schlopp" a, do hasche beschtimmt e Sitzplatz!", ein Lauterer Aphorismus, der im 19. Jahrhundert auch für Konzertdarbietungen in der Fruchthalle gebraucht wurde. Das Stadttheater hatte zunächst keine feste Standardbesetzung. Jährlich wurde ein neuer Direktor bestellt, der sich dann sein Ensemble für eine Saison zusammenstellte.
 

Der Kennedy-Brunnen.
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Diese alte Stadtansicht einer Postkartenserie aus dem Anfang der 1940er Jahre könnte schon bald wieder entstehen. Das Referat Gebäudewirtschaft der Stadtverwaltung will den Brunnen möglicherweise in etwas veränderter Form wieder aufbauen. Der abgebildete Altenwoogbrunnen stand in der Südwestecke des heutigen Kennedy-Platzes zur Bismarckstraße hin. Die Anlage wurde am 29. Juni 1939 eingeweiht. Etwa 6000 Menschen waren zur Einweihung auf den Platz gekommen. Die Kupferschale wurde im Krieg abmontiert und eingeschmolzen. Der Stadtrat beschloß 1953, wieder einen Brunnen bauen zu lassen. Einweihung war am 6. Juni 1954. Im Jahr 1964 wurde der Standort des Brunnens auf dem kleinen Platz etwas verändert. Der neue Name war jetzt Kennedy-Brunnen. Die 1954 angebrachte Schüssel, den „Bundkuchen", wie die Lauterer sagten, hat die Stadt im Oktober des Jahres 2001 abgebaut, Brunnenkammer und die Umrandung blieben jedoch erhalten. Die Brunnenrohre waren danach manchmal noch in Betrieb.
 

Bus und Straßenbahn am Hauptbahnhof.
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Eine alte Stadtszene von vor 80 Jahren auf dem heutigen Guimarães-Platz. Dieses Foto aus dem Archiv der Technischen Werke wurde am 1. Juli 1935 aufgenommen. Das war der Tag, an dem in Kaiserslautern der Omnibusverkehr aufgenommen wurde und die Straßenbahn ein einziges Mal gleichzeitig fuhr. Vielleicht wollte man Umstellungsschwierigkeiten vermeiden und ganz sicher gehen, daß keine Versorgungslücke entstand. Die Szene ist am Hauptbahnhof aufgenommen, dessen Dach links zu erkennen ist. Das Empfangsgebäude des alten Lauterer Hauptbahnhofs wurde am 18. Dezember 1944 bei einem Luftangriff zerstört.
 

Das Fackelrondell 1959.
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Auf diesem freien Platz zwischen der Königstraße im Vordergrund und der Pariser Straße, jenseits des Parkplatzes, steht heute das Kaufhaus Karstadt. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1959. Die städtischen Busse fahren noch mit den ab 1960 verbotenen Anhängern. Auf dem Parkplatz ist die typische Autoparade jener Zeit zu erkennen: VWs mit Brezelfenster und amerikanische Straßenkreuzer. Die Apostelkirche, links im Bild neben dem Institut der Franziskanerinnen, feierte bereits am 19. Februar 1956, nach dem Wiederaufbau mit dem provisorischen Turm, Einweihung. Bis Karstadt kam, dauerte es noch 20 Jahre. Die Häuserkulisse in der Pariser Straße zeigt heute in diesem Abschnitt wesentliche Veränderungen gegenüber der Aufnahme von vor 46 Jahren.
 

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