Alte Stadtansichten Album 09

Die untere Steinstraße.

Diese Aufnahme entstand im Winter 1942/43, als das Fotografieren von Straßen und Gebäuden verboten war. Das Foto wurde vom zweiten oder dritten Stockwerk des alten Stadthauses in der Steinstraße zur Kreuzung Stein-/Spittel-/Fruchthall- und Markstraße hin gemacht, mit Blick auf die Stiftskirche. Erhalten von dieser alten Stadtszene sind nur noch die Stiftskirche und das nach einer Gasexplosion wieder restaurierte Haus Ecke Fruchthall- und Marktstraße (im Bild rechts neben der Stiftskirche). Auf dem Bild wird deutlich, wie eng damals diese Kreuzung war. Die untere Steinstraße, der heutige Eingang zur Altstadt von der Markstraße her, war ebenfalls recht schmal. Etwa auf der Höhe des Lastwagens im Vordergrund steht heute die Spoliensäule.

Die Steinstraße 1925.

Lange hat es gedauert, bis sich die Steinstraße nach der Sanierung in den 70er und 80er Jahren als Einkaufsstraße wieder einen Namen erworben hatte. Ganz anders war die Situation in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und dann wieder in den 20er Jahren. Die Aufnahme aus dem Jahr 1925 hält geschäftiges Treiben fest. Der Blick geht hinunter in Richtung -Martinsplatz. Der Turm der Martinskirche erläutert die Situation. Die mit kunstvollen Schmiedearbeiten verzierten „Nasenschilder" scheinen in die Steinstraße zu rufen: „Hier wohnt der Bäcker, hier der Metzger, der Tuchhändler und derolonialwarenhändler." Im Jahr 1925, zum Zeitpunkt der Aufnahme aus dem Stadtarchiv, kam noch mehr Leben in die Steinstraße: Die Straßenbahn ratterte jetzt von der Schillerstraße bis zum Nordbahnhof. In Lautern herrschte 1925 bittere Wohnungsnot. Gerade in der Steinstraße und in den Seitengässchen war die Wohnungssituation katastrophal.

Wächters Biergarten:

Diese alte Stadtansicht aus der Zeit um die Jahrhundertwende ist ein Stahlstich, der den Biergarten der Brauerei Wächter darstellt. Der Stich wurde als Postkarte in der Serie „Kaiserslautern und Umgebung" vom Verlag Tascher aufgelegt. Der Biergarten „Zur Kaiserburg" war der Brauerei vorgelagert. Der Eingang zum Biergarten war ungefähr an der heutigen Ecke Burgstraße/Willy-Brandt-Platz, beim Parkplatz neben der Barbarossaburg. Das Brauereigelände umfasste Teile des Schossgeländes und des ehemaligen Zentralgefängnisses. Die Brauerei Wächter war, soweit noch festzustellen ist, die einzige Kaiserslauterer Brauerei, die Bier nach Frankreich lieferte. Im Jahr 1908 ging sie an die Brauerei Jaenisch über.

Die Logenstraße.

Auf diesem Foto aus den Beständen des Stadtarchivs geht der Blick nach Norden von der unteren Bahnhofstraße über den Philipp-Mees-Platz hinüber zur Logenstraße. Nur die ehemalige Villa Ugé (links) ist noch erhalten. Das Haus ganz rechts mit den beiden Dachgauben stand auf der Ecke Eisenbahn- und Barbarossastraße. Die kleine Parkanlage im Vordergrund war im Stadtplan von 1922 noch als Bismarck-Platz eingezeichnet. Der auf diesem Platz versammelten Menschenmenge verkündete Gauleiter Bürckel auf der Treppe der damaligen Polizeidirektion (links außerhalb des Bildes) am 11. März 1933, dass die NSDAP in Bayern und damit auch im bayerischen Kaiserslautern die Macht übernommen habe. Der Platz blieb namenlos, bis er 1995 Philipp-Mees-Platz genannt wurde. Die Fotografie ist über 100 Jahre alt; sie entstand zwischen 1890 und 1895. In der Bildmitte ist eine Brunnenschale mit zwei von insgesamt drei Säulen zu erkennen. Der damalige Verschönerungsverein hatte diesen Brunnen 1890 errichten lassen. Bis 1895 stand er in der Anlage vor dem Königlichen Bezirkskommando, dem heutigen Polizeipräsidium. Dann musste er einem Bismarck-Denkmal weichen, das im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen wurde. Die Stadt hat den Brunnen 1895 in die Bremerstraße umgesetzt, wo er heute noch als Albrechtsbrunnen in Erinnerung an König Albrecht steht, der Kaiserslautern den Stiftswald geschenkt hat. Im Jahr 1911 hat der Bildhauer Adolf Bernd dem Brunnen als Krönung einen „Knaben mit Ferkel" als Erinnerung an das Recht der Eichelmast der Schweine in historischer Zeit aufgesetzt.

Das Fackelrondell 1959.

Auf diesem freien Platz zwischen der Königstraße im Vordergrund und der Pariser Straße, jenseits des Parkplatzes, steht heute das Kaufhaus Karstadt. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1959. Die städtischen Busse fahren noch mit den ab 1960 verbotenen Anhängern. Auf dem Parkplatz ist die typische Autoparade jener Zeit zu erkennen: VWs mit Brezelfenster und amerikanische Straßenkreuzer. Die Apostelkirche, links im Bild beim Institut der Franziskanerinnen, feierte bereits am 19. Februar 1956, nach dem Wiederaufbau mit dem provisorischen Turm, Einweihung. Bis Karstadt kam, dauerte es noch 20 Jahre. Das Kaufhaus feierte am 1. Oktober 1976 Richtfest. Die Häuserkulisse in der Pariser Straße zeigt heute in diesem Abschnitt wesentliche Veränderungen gegenüber der Aufnahme von vor 46 Jahren.

Die Nordwestseite des Stiftsplatzes.

Obwohl er sich immer wieder verändert hat - den Stiftsplatz erkennt man sofort. Der Turm der Martins-kirche hinter dem herbstlichen Baum in der Bildmitte ist ebenso ein „Stiftsplatz-Attribut" wie es die Türme der Stiftskirche auf der Südseite des Platzes sind. Viele ältere Bürger erinnern sich noch an die „Spittelmühle", das 1936 eingerichtete Theodor-Zink-Museum auf der Nordseite - auf dem Foto aus dem Stadtarchiv von der Bildmitte nach rechts hin. Die linke Seite der Aufnahme aus dem Jahr 1930 wird von dem alten Gebäude der Deutschen Bank beherrscht, dem ehemaligen Bankhaus Böcking, Karcher & Co. Links daneben, im Hintergrund, spielen zwei Kinder am Siegelsbrunnen, einem der ältesten Laufbrunnen aus dem Jahr 1619. Ab 1842 schuf die Stadt durch den Abriss der alten Hospitalgebäude und der städtischen Badestube einen neuen Marktplatz. Ab 1879 hieß er Stiftsplatz. Zuvor mussten noch die tiefer liegenden Stiftsgärten aufgefüllt werden. Der Platz wurde 1909 mit Albersweilerer Granit gepflastert, der mit Pferdefuhrwerken herbeigekarrt wurde.

Die Gaststätte der „Ausstellung”:

Diese Innenansicht der „Rotunde", einem Teil der Restaurationsbetriebe auf dem ehemaligen Ausstellungsgelände an der Entersweilerstraße, zeigt den von Stadtbaumeister Hermann Hussong und seinen Architektenkollegen vertretenen Bau-Expressionismus der 1920er Jahre in besonders ausgeprägter Form. Die Restaurationsbetriebe des Ausstellungsparks standen unweit der großen, etwa 90 Meter langen Haupthalle. Das entspricht heute der Nordseite des Schwanenweihers, bebaut mit Häusern der Donnersbergstraße. Der Rotunde, die mit ihrem Eichen-Parkettboden überwiegend als Tanzfläche diente, schlossen sich nach Westen die weiteren Gasträume an. Dem Ensemble, das sich zum Schwanenweiher hin öffnete, war ein Freisitz mit Tanzpavillon in unmittelbarer Nähe zur Wasserfläche vorgelagert. Der besondere Reiz des Freisitzes bestand darin, dass er mit weißem Marmorkies aufgeschüttet war. Das Ausstellungsgelände wurde am 5. Januar 1945 bei einem Bombenangriff völlig zerstört.

Die Fischerstraße mit der Synagoge.

Diese Perspektive war eine der imposantesten, wenn man sich von Osten her durch die Fischerstraße der Innenstadt näherte. Eine Verbindung von Tradition und Fortschritt waren die prächtige Synagoge aus dem 19. Jahrhundert und die Bau-AG-Wohnanlage aus den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Beiden Bauwerken haben die Nazis in einer nicht wieder gutzumachenden Weise zugesetzt: Die Synagoge wurde am 9. Oktober 1938 gesprengt, die Bau-AG-Wohnanlage des architektonischen Schmucks ihres Erbauers Hermann Hussong beraubt. Die Schmuckpfeiler am Eingang der Wohnanlage wurden entfernt, weil sie nach Auffassung der Kunstbanausen „bolschewistisches Kulturgut" gewesen seien, der schmiedeeiserne Zaun wurde zu Granaten umgeschmolzen. Die Aufnahme aus dem Bau-AG-Fotoarchiv entstand 1926. Die Freifläche vor der noch erhaltenen Wohnanlage lag damals tiefer. Sie war als Rückhaltebecken gedacht, weil der Kanal in der Fischerstraße zu klein dimensioniert war. Die recht dunkel erscheinenden Gebäude waren dunkelblau gestrichen, „quetscheblo", wie die Lauterer sagten. Im Vergleich mit den Häusern der Wohnanlage lässt sich erkennen, wie groß die Synagoge war.

Die Fruchthallstraße.

Diese in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts entstandene alte Stadtansicht zeigt ein Stück prächtiges Lautern. Der Ansatz des Turms der Martinskirche, oben rechts, vermittelt die Situation: Die Häuser mit den prunkvoll geschmückten Jugendstil-Fassaden stehen an der Fruchthallstraße/Ecke Steinstraße. Stuck-Ornamentik, Girlanden, Allegorien und Schmuckbänder verzieren die Gebäude. Sie blieben vom Bombenkrieg verschont, mussten aber 1954 der Ost-West-Achse weichen. Der Fassadenschmuck wurde schon früher bei Renovierungsarbeiten entfernt; die Gipsprofile bröckelten ab und bildeten eine Gefahr für die Passanten.

Der ehemalige Enkenbacher Weg.

Das Foto zeigt eine alte „Stadtansicht" aus dem Jahr 1929, Elendswohnungen im Umfeld des ehemaligen Enkenbacher Wegs. Im Hintergrund links sind Dächer der Häuser der Friedenstraße zu sehen. Auch im Bereich der damaligen Saarbrücker Straße, der heutigen Pariser Straße, und der Reichswaldstraße war dieser städtebauliche Wildwuchs wegen der erdrückenden Wohnungsnot in den 20er und 30er Jahren entstanden. Die Wohnungsnot begann nach dem Ersten Weltkrieg, als die Soldaten zurückkehrten und Familien gründeten. Die Geburtenrate entwickelte sich explosionsartig. Arbeitslosigkeit verschärfte die Situation, unter anderem auch, weil das pfälzer „Exportland" Elsaß-Lothringen weggefallen war. Die Inflation kam 1923 über Deutschland und 1929 die Weltwirtschaftskrise. Die Baumwollspinnerei Bender wurde geschlossen, die Eisenwerke stillgelegt, die Nähmaschinenfabrik Kayser zog nach Durlach. Im Jahr 1931 lebten laut einem Zeitungsbericht 106 Familien in Baracken, 19 in ausgedienten Eisenbahnwagen und 118 in Notquartieren, über 4000 suchten Wohnungen. Eine interne Notiz der Stadtverwaltung, die im Jahr 1934 kaum veränderte Zahlen enthält, durfte nicht mehr veröffentlicht werden. Die Nazis hatten nichts Besseres zu tun, als in der NSZ vor dem Zuzug nach Kaiserslautern „dringend" zu warnen.

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