Alte Stadtansichten Album 05

Die Fruchthallstraße.
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Ein „altes“ Stadtbild aus jüngster Vergangenheit. Im Hintergrund stehen das Protestantenhaus, der Filmpalast, das „alte“ Pfalztheater - ein Stück Kaiserslautern, das es nicht mehr gibt. Die Stadtplatane ist noch da und auf der linken Seite die Häuserzeile. Das Gartengrundstück, dessen Einzäunung im Vordergrund links bei dem Schild „Eis“ zu sehen ist, ist bebaut, das Bezirksamt rechts im Bild hinter der Platane ist auch abgerissen. Die zwei Gebäudeteile des 1999 abgerissenen Hussong-Komplexes sind auf dem Foto gut zu erkennen: das Haus des ehemaligen Protestantischen Frauen Verein, auf der Ostseite (hier in der Bildmitte) und der sich zum Fackelrondell hin anschließende Gebäudeteil des Protestanten Vereins. Das Bauwerk entstand in den Jahren 1928/29 in zwei Etappen, Bei der Grundsteinlegung hielt Theodor Zink die Festansprache. Auf der Urkunde stand etwas schwülstig, wahrscheinlich in Erinnerung an Napoleon, dass vor dem Grundstück der Fackelplatz liege, den eine „Heerstraße der Weltgeschichte“ durchschneide. Die Grundsteine beider Gebäude wurden beim Abriss nicht gefunden. Zur Zeit der Aufnahme im Sommer 1938 hieß die Fruchthallstraße „Hindenburgstraße“, und zwar von 1933 bis 1945.

“Alte Bleiche”.
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Wer den Standort der von den Nazis zerstörten Synagoge kennt, kann sich auf diesem Foto aus dem Stadtarchiv ganz gut zurechtfinden. Auf dem Bild ist eine Szene im Sommer 1914 festgehalten. Wir befinden uns etwa auf der Nordostseite der Synagoge, und zwar im „Fischerpark“ zwischen der Rückseite der Bau AG-Wohnanlagen Fischer- und Kanalstraße. Zwei markante Häuser dieser Stadtkulisse, die heute noch erhalten sind, helfen weiter: Über dem Dach des ärmlichen Wohnhauses im Vordergrund, unmittelbar rechts des Schornsteins, sieht man in die Sophienstraße hinein mit den zwei noch erhaltenen Häusern mit ihren markanten Dachgiebeln. Dieser westliche Teil des „Fischerparks“ (vorne) zur Sophienstraße und Emmagasse hin ist heute Freifläche mit einem kleinen Spielplatz, beziehungsweise mit Garagen belegt. Zur Zeit der Aufnahme hieß dieses Terrain „Alte Bleiche“, für die Lauterer „die alt' Blääch“. Die Bebauung der Fischer- und der Kanalstraße  begann 1922 beziehungsweise 1924. Für die „alt' Blääch“ stand eine Flächensanierung an. Bemerkenswert ist, daß Stadtbaumeister Hermann Hussong auch hier die Grünfläche zwischen den beiden Gebäudekomplexen erhalten hat.

Die St. Martinskirche mit Bombenschaden.
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Bei einem Luftangriff am 17. März 1918 verwüstete eine Bombe den Pfarrgarten auf der Ostseite der Martinskirche. Das Original dieser Aufnahme aus dem Stadtarchiv ist nicht mehr vorhanden, nur eine im Laufe der Jahre immer wieder reproduzierte Aufnahme. Der durch die Bombe entstandene Schaden ist jedoch deutlich zu erkennen. Die Splitter haben an der Kirchenmauer ihre Spuren hinterlassen und die Fenster zerstört. Sie haben dem kleinen Anbau, den es mittlerweile nicht mehr gibt, zugesetzt. Die „moderne Art“ der Kriegsführung, das Bombardement, erfuhr Kaiserslautern erstmals am 1. November 1917. Der Angriff am 17. März 1918 war offensichtlich ein Flächenbombardement. Angriffsziel könnte der Hauptbahnhof gewesen sein, aber auch in der Blücherstraße und in der Luitpoldstraße (Rudolf-Breitscheid-Straße) gab es Bombenschäden und bei der Martinskirche. In der englischen Militärzeitung „Aeronautic“ vom 5. Juli 1918 stehen folgende Sätze: „Das Bombardieren deutscher Städte gehört zu unseren besonderen kriegerischen Maßnahmen... Das ist nach unserer Ansicht vernünftig..., um dem deutschen Volk einen Teil des Kriegselends aufzubürden.“

Die Martin-Luther-Straße.
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Wer genau hinsieht, kann den Zeitpunkt dieser Aufnahme ganz gut fixieren. Der VW mit dem „Brezelfenster“ links und der amerikanische Jeep rechts im Bild lassen auf ein Nachkriegsfoto schließen. Die Ostseite der Fruchthalle ist rechts zu sehen und die beiden Häuser im rechten Hintergrund gibt es auch noch in der Fruchthallstraße. So sah es noch 1954 um die Fruchthalle herum aus, ein vom Bombenkrieg verschont gebliebener Teil der Innenstadt. Die Abrißbagger haben dieses Stück Alt-Lautern auseinander genommen, um die Fläche für den Ausbau der Ost-West-Achse vorzubereiten. Bildbeherrschend steht das verwinkelte Haus am südlichen Eingang der Martin-Luther-Straße. Wegen seiner mit Blech verkleideten Fassade hatten ihm die Leute Spitznamen zugedacht. Der zutreffendste war wohl „das Haus mit der Blechfassade“. Nach links geht der Blick in den Hof des Hotels Adler. Es sei daran erinnert: Die Stadt wollte auch diese neue Achse; der Ausbau sollte aber etwa 20 Jahre später erfolgen, wenn der Wohnungsbau abgeschlossen gewesen wäre. Vielleicht wären dann noch Teile dieses historischen Stadtquartiers von der Steinstraße bis zur Fruchthalle erhalten geblieben. Die Amerikaner setzten sich jedoch mit ihrem Wunsch nach einer schnellen innerstädtischen Ost-West-Verbindung durch.

Das „Centralgefängnis“.
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Im Jahr 1818, zwei Jahre nachdem der Bayerische Rheinkreis, der spätere Regierungsbezirk Pfalz, dem Bayerischen Königreich eingegliedert worden war, wurden die ersten Vorbereitungen getroffen, in Kaiserslautern ein „Centralgefängnis“ zu bauen. Das Foto des Stadtarchivs aus dem Jahr 1934 zeigt den hufeisenförmigen Innenhof dieses Gefängnisses. Das Gebäude wurde 1936 abgerissen. Das Gefängnis, ab 1867 Zuchthaus genannt, stand auf dem heutigen Rathaus- beziehungsweise ehemaligen Schloßgelände. Die Verwaltungsgebäude (Schloßkaserne) blieben größtenteils noch bis 1966/67 erhalten. Das „Centralgefängnis“ war ein in sich abgeschlossener und 1,45 Hektar großer Komplex zu dem das „Männergefängnis“, das 1857/58 hinzugekommene „Weiberhaus“ gehörten, auch eine kleine Produktionsstätte, die „Fabrik“, sowie „Inspektionsgebäude“ und eine „Männerkapelle“. Für die weiblichen Gefangenen wurde ein Betsaal eingerichtet. Der Bau des Gefängnisses begann 1821, belegt wurde es ab 1825. Bereits 1826 waren 351 Sträflinge darin untergebracht, größtenteils „Kettensträflinge“. Die Anlage wurde sukzessive bis 1860 erweitert. Anfangs war der Ruf des Gefängnisses nicht besonders gut. Es gibt aber Berichte aus der Zeit um 1900, in denen vom „Triumph der Humanität“ die Rede ist. Es soll vorgekommen sein, daß die „milde Behandlung“ in Kaiserslautern „...Entlassene zu neuen Vergehen veranlaßt habe, damit sie hier wieder Obdach und gute Pflege finden...“

Der Stiftsplatz mit Karlsberggebäude.
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Grüne Gärten des Chorherrenstifts, Marktplatz, dann ergänzt mit Garagenkasematte: Stiftsplatzgeschichte in Kurzfassung. Die Stadt hat das Karlsberggebäude auf der Südseite des Platzes 1959 an den Wertheim-Konzern verkauft. Der Abriss begann im Sommer 1960. Unser Foto aus dem Stadtarchiv ist 102 Jahre alt; es wurde an einem Markttag im Jahr 1903 aufgenommen. Das „Karlsberg-Hotel“ ging als Flop in die Stadtgeschichte ein. Anno 1875 eine Nummer zu groß geplant, bekam der Bauherr finanzielle Schwierigkeiten, und er musste den Rohbau veräußern. Schon 1890 hatte die Stadt den Komplex am Hals. Nach dem Krieg waren im Karlsberg städtische Dienststellen und die Stadtbibliothek untergebracht. Der Lauterer Triathlon „Planen, Pech und Pannen“ wurde am Stiftsplatz immer erfolgreich absolviert. Die Stadt hat 1842 die alten Hospitalgebäude und die städtische Badestube im Bereich des späteren Stiftsplatzes abgerissen und die tiefer liegenden Stiftsgärten aufgefüllt. Seinen Namen erhielt der Stiftsplatz 1879, gepflastert wurde er 1909 mit Albersweiler Granit.

„Goldener Bock“ und Marktstraße.
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Die Aufnahme zeigt das Gasthaus „Goldener Bock“ (das größere Haus). Das nicht mehr besonders gut erhaltene Foto aus dem Stadtarchiv wurde 1862 aufgenommen. Das Gasthaus stand in der Marktstraße, auf der Nordwestseite der Stiftskirche, etwa gegenüber dem Brunnen. Eine Besonderheit der Marktstraße waren durchgängige „Arkaden“ von Haus zu Haus, die so genannten Laubengänge. Auf dem Foto ist noch ein Teil dieser Laubengänge zu sehen. Die Lauben waren teilweise mit Holzpfosten gestaltet, die mit einfachen Schnitzereien verziert waren, und teilweise mit behauenen Steinsäulen. Das Erdgeschoß war zurückgesetzt, der erste Stock „hing über“. Die Laubengänge boten eine gute Gelegenheit, an den Markttagen bei jedem Wetter Waren verkaufen zu können. Dieser Markt, der bis zur Stiftskirche reichte und sich dort zum Platz aufweitete, wird 1321 erstmals erwähnt. Rechts im Bild sind Abrißarbeiten zu erkennen, das Dachgeschoß ist bereits abgetragen. Im Laufe der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts verschwanden die restlichen Lauben. Schon vorher waren die meisten Laubengänge der Aufweitung von Napoleons „Kaiserstraße“, die durch die Fackel- und Marktstraße führte, zum Opfer gefallen.

Das Rathaus mit Schloßkaserne.
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In der ersten Sitzung des Kaiserslauterer Stadtrats im neuen Rathaus, am 29. November 1968, überreichte der Architekt, Roland Ostertag, an Oberbürgermeister Hans Jung den Schlüssel zum neuen Haus. Wie es während der Bauzeit im Umfeld des neuen Rathauses aussah, zeigt dieses Foto von 1967 aus dem Stadtarchiv: Abrißarbeiten in der Burgstraße. Der Fotograf stand ungefähr auf Höhe des heutigen Ampelsystems auf der Ostseite der Fruchthalle bei der Einmündung der Martin-Luther-Straße. Das wuchtige, lang gestreckte Gebäude in der Bildmitte vor dem neuen Rathaus war die Schloßkaserne, bis 1909 Zentralgefängnis der Pfalz. Man muß sich ins Gedächtnis rufen, daß zum Zeitpunkt der Aufnahme die Ost-West-Achse schon über zehn Jahre funktionierte. Sie wurde am 10. Mai 1955 in Betrieb genommen, und in ihrem Umfeld galt es immer noch, eine neue städtebauliche Ordnung zu finden. Beim Rathausbau entwickelte sich allgemeines Interesse für einen weitläufigen Flachbau mit Innenhof, vom alten Maxplatz über das „Eisplätzchen“ bis zur Burgstraße. Der vorherige OB, Walter Sommer, wollte das Hochhaus. Wenn man das „flache Umfeld“ des neuen Rathauses sieht, versteht man, warum die Leute vom „Zeigefinger der Verwaltung“ sprachen.

Die Schlosskaserne.
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„Durch allerhöchsten Erlass vom 11. Februar 1909 wird die königliche Strafanstalt Kaiserslautern nach 84-jährigem Bestehen mit dem 30. Juni 1909 aufgelöst." Das stand am 14. März 1909 in den Kaiserslauterer Zeitungen. Damit war die Zeit des Kaiserslauterer Zuchthauses beendet. Die letzten Verwaltungsgebäude auf dem Gelände der ehemaligen Kaiserburg hat die Stadt rund 70 Jahre später, 1966 und 1967, abgerissen. Der Hauptbau wurde bereits 1936 niedergelegt. Die Gebäude dienten im Ersten Weltkrieg als Kaserne; daher kommt die Bezeichnung „Schlosskaserne". Das Foto aus dem Stadtarchiv wurde Mitte der fünfziger Jahre aufgenommen. Der Fotograf stand etwa an der heutigen Einmündung der Straße Rittersberg in den Willy-Brandt-Platz, also an der Hauptzufahrt zum Rathaus. Der Komplex „Schlosskaserne" diente damals überwiegend als „Stadthaus III" der auf knapp 20 Stellen aufgeteilten Stadtverwaltung.

Die Brauerei Marhoffer.
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Der Bierbrauer Karl Marhoffer aus Meisenheim hat seine Brauerei 1860 gegründet. Sie stand in der Kirchenstraße, der heutigen Unionstraße in der Altstadt. Durch Neuaufteilung der Grundstücke ist der exakte Stand nicht mehr zu fixieren. Die Aufnahme aus dem Stadtarchiv dürfte Ende der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts entstanden sein. Die Gebäude und das Umfeld waren zum Zeitpunkt der Aufnahme schon ziemlich vernachlässigt. Letzte Reste der Brauereigebäude hat die Stadt in den 70er Jahren abgerissen, um Platz für die Gestaltung der Altstadt zu bekommen. Die Erben von Karl Marhoffer traten das Braurecht 1936 an die Bayerische Brauerei Kaiserslautern (BBK) ab. Das Hotel „Zum Donnersberg” in der Steinstraße 5, das Karl Marhoffer erworben hatte, wurde die Hauswirtschaft der Brauerei. Das „Marhoffersche Sälchen” ist noch erhalten. Im Hotel „Zum Donnersberg”, das in der so genannten Franzosenzeit „Mont Tonnerre” hieß, hat am 4. Oktober 1804, also vor gut 200 Jahren, Napoleon mit seiner Gemahlin Josephine übernachtet. Der französische Kaiser ritt das ehemalige Schlachtfeld von 1793/94 bei Morlautern ab, um herauszufinden, warum die Franzosen damals besiegt worden waren.

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