Alte Stadtansichten Album 04

Am Schlittweg

Diese Häuser „Am Schlittweg“ aus dem Jahr 1920 haben den Krieg überstanden, obwohl das Umfeld des Bahndamms der Nordbahn immer wieder Ziel der Bomber war. Und trotzdem, diese Stadtperspektive gibt es nicht mehr. Die tief liegenden Gärten sind seit vielen Jahren bebaut. Ein riesiger Wohnblock verwehrt jetzt die Perspektive, wie sie der Fotograf um 1928/29 gewählt hat. Die Wohnanlage Am Schlittweg hat die „Baugenossenschaft zur Errichtung von Kleinwohnungen“ gebaut. Diese Gesellschaft ist mit ihrem gesamten Hausbestand in die 1921 gegründete Bau-AG übergegangen.

Orff-/Albert-Schweitzer-Straße

Diese Aufnahme wurde 1926 an der Ecke der heutigen Albert-Schweitzer-Straße mit der Orffstraße gemacht. Zu dem Zeitpunkt war in Kaiserslautern „Franzosenzeit“. Auf dem Original des Fotos der Bau AG ist zu erkennen, daß das kleine Straßensperrschild in der Bildmitte in französischer Sprache geschrieben ist: „Rue barree“ ist in großer Schrift zu lesen und darunter ganz klein in deutsch „Straße gesperrt“. Die Häusergruppe ist von 1921 bis 1923 entstanden. Wie das Bild erkennen läßt, kam der. Straßenausbau demnach erst drei bis vier Jahre später langsam in Gang. Wohnungsbau hatte in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg Priorität. Fußgänger, Karren und Pferdeführwerke kamen auf dem sandigen Straßenbelag ganz gut zurecht.

Der Bau an der Ecke Wilhelm-/Fischerstraße:

Als „Quetschebloo“, dunkelblau, wäre dieser Block in der Wilhelmstraße auf dem Foto zu sehen, wenn das Bild in Farbe aufgenommen worden wäre. Das Gebäude gehört, weil es noch in die Fischerstraße hineinragt, heute im allgemeinen Sprachgebrauch zu der großen Wohnanlage in der Fischerstraße, die in den Jahren 1922 bis 1926 gebaut wurde. Die Aufnahme aus dem Bau AG-Archiv wurde 1928 gemacht. Es sind interessante Details zu erkennen. Ganz im Hintergrund (im Bild rechts), sind die Kuppeln der Synagoge zu sehen, und die Arkaden sind noch nicht eingebaut. Das besorgten die Nazis erst 1938. Zwei Wohnungen im Erdgeschoß gingen verloren. Die immer noch nicht fertig ausgebaute, sandige Fischerstraße ist auf dem Foto auszumachen und die regelmäßig gesetzten Rammsteine. Diese Steine nannten die Lauterer „Hundsbrunzer“, weil sie den Hunden Gelegenheit boten, ein Beinchen zu heben.

Die Walderholungsstätte

Diese um 1914/15 entstandene Fotografie zeigt einen Hussong-Bau, die „Walderholungsstätte Kaiserslautern“. Das Gebäude wurde Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts abgerissen, um dem Bau der Schule für Geistigbehinderte Platz zu machen. Wegen der stark verbreiteten Lungentuberkulose kam ab etwa 1890 eine regelrechte Heilstättenbewegung in Gang. Auch die Stadt baute am „Rummel“ eine „Walderholungsstätte“ für Tuberkulosekranke westlich des Stiftswalder Forsthauses. Die Erholungsstätte wurde am 4. Juli 1914 eröffnet. Das Haus war nur für den Sommer-Tagesbetrieb ausgelegt. Die Tuberkulosekranken wurden morgens gebracht und nach „Erholung in frischer Waldluft“ abends wieder nach Hause gefahren. 1936 wurde ein Tageserholungsheim für Kinder eingerichtet. Man kannte zwar neue Behandlungsmethoden zur Bekämpfung der Tuberkulose, in Kaiserslautern gab es 1936 aber noch 914 Neuerkrankungen. Ab etwa 1960 war die Nutzung als „Sonderschule für Geistigbehinderte“ Thema.

Die Häuser am Hilgardring:

Das im Sommer 1928 aufgenommene Foto vermittelt einen Hof- und Garteneinblick an der Ecke zum Schlittweg. Die Gärten gibt es nicht mehr. Das Bettenauslegen gehörte zum Geschäft der Hausfrauen. „Das Aushängen, Ausschütteln und Ausstauben von Betten an Fenstern oder sonstigen Öffnungen, die auf Straßen und Plätze hinausgehen“, war seit Inkrafttreten einer Ortspolizeilichen Vorschrift im Jahr 1875 verboten. Im Detail erkennt man eine Besonderheit, die noch in den zwanziger Jahren, einer Blütezeit der fahrenden Hausierer und Bettler, gang und gäbe war. An dem Gartenzaunpfosten rechts im Vordergrund sind zwei „Bettler- oder Gaunerzinken“, in diesem Fall zwei mit Kreide aufgemalte Kreuze, zu erkennen. Die beiden übereinander angeordneten Kreuz-Zinken haben System. Sie sagten dem jeweils nächsten Bettler oder Hausierer, daß er im ersten und im zweiten Stock dieses Hauses Aussicht auf eine Gabe oder ein gutes Geschäft hat, wenn er sich „fromm stellt“. Schon im Mittelalter verständigten sich durchaus ehrbare fahrende Handwerksgesellen, aber auch Bettler und Gauner mit Zeichen, die vorzugsweise auf Gartenpfosten eingeritzt oder aufgemalt wurden. Die jahrhundertealten Zinken gerieten ab etwa 1750 fast ganz in Vergessenheit. Sie erlebten aber nach dem Ersten Weltkrieg, insbesondere in den zwanziger Jahren, eine neue Hochkonjunktur, bis sie im Dritten Reich verschwanden.

In der Nähe des Altenhofs.

Ein Neunzigjähriger könnte sich vielleicht noch an diese Stadtkulisse aus dem Umfeld des Altenhofs erinnern. Die Aufnahme stammt aus den zwanziger Jahren. „Himmelsgasse“ hieß das heimelige Sträßchen vor 1742, das parallel zur Heiligenstraße zum Altenhof führt, danach hieß es bis 1836 „Kleine Marktgasse“ und seit 1860 trägt es den Namen Jacobstrasse. Der Fotograf hat in Richtung Altenhof durch den Sucher geschaut, als er die Aufnahme dieses mittlerweile untergegangenen Stadtquartiers machte. Gewiß wollte er nur dieses Lauterer Idyll festhalten; die „angeschnittene“ Villa Orth im Hintergrund links, ehemaliger Wohnsitz der Brauerfamilie, kam zufällig mit auf das Bild. Auf dem Originalfoto ist zu erkennen, daß der Bub mit seinem Geschwisterchen auf dem Arm vor dem Haus der Familie Stephany, Jacobstrasse 6, barfuß ist. Die zwanziger Jahre waren Kaiserslauterer Notjahre. Wo die Schlafstube ist, kann man nicht übersehen, und am Fenster in der Bildmitte hält eine Mutter ihr kleines Kind in die Sonne. Die Beinchen hängen über das Fenstersims.

Der Grüne Block

Auf dieser Baustelle entstand von 1926 bis 1928 ein Gebäude, das heute unter Denkmalschutz steht: der Grüne Block mit seinem A-förmigen Grundriß zwischen der Altenwoogstraße, der Mannheimer Straße und dem Hilgardring. Das Foto ist vom Hilgardring her aufgenommen mit Blick etwa nach Südosten. Die Arbeiter bauen gerade an dem Querbalken des A. Über die beiden Innenhöfe geht der Blick hinüber zu dem Nordbahndamm links im Bild. Auch der Grüne Block wurde als Ersatz für die von der französischen Besatzung nach dem Ersten Weltkrieg beschlagnahmten Wohnungen gebaut. Der Denkmalschutz schreibt: „..der Baukomplex repräsentiert mit seiner betont funktionalen Auffassung die Bauhaus-Nachfolge in Kaiserslautern, jedoch ist der Stil der Neuen Sachlichkeit nicht konsequent bis in die Einzelheiten entwickelt worden...“ Wie der Rundbau war auch der Grüne Block Ende der 20er Jahre heftiger Kritik ausgesetzt. Das Umfeld war noch wenig bebaut und der vierstöckige Block stand wie ein gewaltiges Fort da. Und schon hatten sich die Leute „Fort-Hussong“ mit Hinweis auf den Baumeister ausgedacht. Nach dem Anstrich hat sich dann allerdings Grüner Block durchgesetzt.

Schillerplatz nach Nordwesten.

Die Aufnahme zeigt den Schillerplatz mit Blick nach Nordwesten, in der Bildmitte das zweistöckige Gebäude, die Thiemeschen Druckereien, Herausgeber der „Pfälzischen Presse“. Das Haus mußte im Jahr 1954 der Ost-West-Achse weichen. Das dreistöckige Gebäude dahinter gehörte ursprünglich zur Brauerei Wächter. Mit dem „Durchbruch“ - dem Abriß eines Mauerrests und eines kleinen Hauses - zwischen dem Geschäft „Christian Seibel Ww. Glas & Porzellan“, links im Bild, und der „Pfälzischen Presse“ wurde im Jahr 1912 der Weg bis zum Fackelrondell frei.  Hermann Löns war von September 1891 bis Mai 1892 Redakteur bei der „Pfälzischen Presse“. Er soll sich öfter den alkoholischen Genüssen hingegeben haben. Sein Chef ließ ihn dann morgens durch einen Boten aus den Federn holen. Daß es sich um ein geschöntes Werbefoto der „Pfälzischen Presse“ handelt, ist an den drei falsch geparkten, möglicherweise hineinmontierten Kurierfahrzeugen (links) zu erkennen. Der „Durchbruch“ war keine Einbahnstraße. Die retuschierte Aufnahme dürfte zwischen dem Jahr 1912 - nach dem „Durchbruch“ - und dem Jahr 1916, als die Straßenbahn nach Kaiserslautern kam, entstanden sein, oder die Schienen wurden herausretuschiert. Der Schatten und Baum im Vordergrund (rechts unten) sind jedenfalls nachbearbeitet.

Die Eisenbahnstraße

Immer weniger Lauterer Bürger erinnern sich an diese alte Stadtansicht, eine 1938 aufgenommene Szene in der unteren Eisenbahnstraße mit Blick Richtung Marktstraße. Vieles weckt hier Erinnerungen: Das „Cafe Käfer“ (Hintergrund Mitte), in dem Schachspieler über ihren Brettern saßen, im Erdgeschoß das Bekleidungshaus „Spille & v. Lühmann“. Im schmalbrüstigen Häuschen rechts daneben ist die „Kragen-Wäscherei Schorpp“ zu sehen. Die „Weiße Laterne“ (rechts) war Treffpunkt der Weintrinker; gegenüber (links), der „Schirm Rausch“ und das „Vegetarische Speisehaus“ Würth. Um die Mittagszeit des 14. August 1944 sind die meist fünfstöckigen Häuser mit ihren Prachtfassaden im Bombenhagel untergegangen. Die Baulinien haben sich beim Wiederaufbau und Ausbau der Schneiderstraße nach dem Krieg etwas verschoben. Die Schneiderstraße führt heute etwa durch das frühere Cafe Käfer. Die Aufnahme hat der Mannheimer Verlag Emil Hartmann in einem Ansichtskartenbanner zur damals bevorstehenden „Erhebung“ Kaiserslauterns zur Gauhauptstadt veröffentlicht.

Die Barfüßergasse.

Das ist echte „Altstadtatmosphäre“ mit dem Geruch von Abort, „Gebäckelten“ und Schmierseife. Das Barfüßergäßchen war schon in den zwanziger Jahren sanierungsbedürftig. In einem Bericht der Stadtverwaltung vom 22. Januar 1928 ist vermerkt: „...geht es über schmale, ausgetretene Holzstiegen den stockdunklen Gang hinauf. Die Luft ist zum Schneiden. Ein kleines Kind fiel kürzlich durch die Stufen. Gas und elektrisches Licht ist nur in wenigen Häusern vorhanden.“ Dieses Foto vom Barfüßergäßchen mit Blick von der Klosterstraße in die Steinstraße wurde kurz vor dem Abriß der Häuser in den siebziger Jahren gemacht. Das Barfüßergäßchen auf Höhe der Martins-Kirche ist im Zuge der Altstadtsanierung untergegangen. Der Stadtrat beschloß 1961 eine Veränderungssperre. Sie bewirkte, daß alles beim Alten blieb. Im Barfüßergäßchen, im Kuhgäßchen und im Engelsgäßchen schütteten die Leute immer noch seifiges Putzwasser in den Rinnstein, und kein Hausbesitzer dachte daran, den alten Baubestand aufzumöbeln, das heißt, er durfte es gar nicht; der Ratsbeschluß war bindend. Die Altstadtsanierung war 1987 abgeschlossen; rund 125 Millionen Mark von privater Seite und etwa 20 Millionen Städtebau-Förderungsmittel von Bund und Land waren investiert worden.

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