Alte Stadtansichten Album 03

Gersweilerweg und Fliegerstraße.
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Kaiserslautern, ein Dorf mit schönen großen Häusern mitten auf der Wiese? Auf dem Foto ist eine der heute noch begehrtesten Wohnlagen in der Stadt abgebildet, die Ecke Gersweilerweg / Fliegerstraße bis zur Ecke Amselstraße, also mit Blick nach Süden. Fußgänger, Karren, die wenigen Autos und Fuhrwerke haben sich durch das wuchernde Gras ihre Spuren getrampelt und gefahren. Die im Sommer 1928 entstandene Aufnahme aus dem Bau AG-Fotoarchiv zeigt die zwischen 1919 und 1922 gebauten Häuser. Im Vordergrund rechts ist das Haus Nr. 1 der Fliegerstraße zu sehen, in der Mitte ein Haus in der Amselstraße. Im Hintergrund links sind unter anderem die Schornsteine der ehemaligen Brauerei Bender in der Gaustraße zu erkennen. Die beiden Häuser in der Fliegerstraße und in der Amselstraße sind noch erhalten, auch weitgehend noch die Mauer aus Hausteinen. Kaiserslautern Ende der zwanziger Jahre doch ein Dorf. von „Fahrwegen und Trampelpfaden erschlossen? Der Viehtrieb in der Stadt Kaiserslautern wurde jedenfalls erst 1926, zwei Jahre vor der Aufnahme, verboten.

Die Kanalstraße von Osten.
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Pferdeäpfel, Gaslaterne, geschotterte, nicht asphaltierte Straßen, mit Sand aufgeschüttete Bürgersteige und hinten rechts ein Handkarren, das Allzweck-Transportmittel bis weit in die dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts - ein Stück Kaiserslautern zwischen den beiden Weltkriegen. Die im Jahr 1928 entstandene Aufnahme wurde an der Ecke Albrechtstraße mit Blick in die Kanalstraße von Osten her gemacht. Abgesehen vom Straßenzustand, der Gaslaterne und den Häusern auf der rechten Seite, ist dieses Stadtbild heute fast noch erhalten. Das Haus im Hintergrund mit den drei Kaminen, direkt links neben der Laterne, war eine der bekanntesten Kaiserslauterer Gärtnereien, die Gärtnerei Guldner. Sie ist nach dem Zweiten Weltkrieg untergegangen.

Die Hartmannstraße
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Diese Aufnahme aus der Nebenstraße der Königstraße entstand im Jahr 1928. Die Wohnanlage ist beim flüchtigen Hinsehen heute fast noch unverändert. Im Detail hat sich jedoch etwas verändert und es gab eine Zäsur hinsichtlich der Bewohner. So, wie die Nazis den turmartigen Dachaufbau, den „Maggiturm“, in der Fischerstraße 1938 entfernt haben, liegen sie auch die drei hier noch sichtbaren Dachaufbauten abreißen, weil sie angeblich „Machwerke des Kulturbolschewismus“ waren. Diese Wohnanlage hat die Bau AG mit Zusatzdarlehen der künftigen Mieter 1924/25 gebaut. Unmittelbar vor dem Bezug durch die deutschen Mieter beschlagnahmten die Franzosen die Wohnungen, weil sie Truppen aus dem Ruhrgebiet nach Kaiserslautern verlegt hatten. Die Spur der französischen Besatzung nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg zieht sich als „Franzosenwohnungen“ durch die Stadt.

Die Rückseite der Herzog-von-Weimar-Straße
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Das Foto von dieser „Bohnenplantage“ stammt aus dem Jahr 1938. Die hier abgebildete Hofseite des östlichen Teils der Herzog-von-Weimar-Straße war wohl mehr „Gartenseite“. Fast jeder Quadratmeter der Bau-AG-Mietergärten wurde damals für die Gemüseproduktion genutzt. Für die Vorratshaltung über Winter waren Stangenbohnen besonders beliebt. Ein großer Teil der Häuser in der Bildmitte, zur Goetheschule (im Bild links) hin wurde abgerissen, als der Schulsportplatz gebaut wurde. Auch die Gärten im Vordergrund gibt es nicht mehr. Sie sind zu Rasen- und Spielflächen umgestaltet.

Westliches Ende der Herzog-von-Weimar-Straße
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Diese Häuserkulisse ist fast unverändert erhalten und doch fällt heute die Orientierung schwer. Der Blick geht hinüber zur Straße Auf dem Bännjerrück. Das Waldstück im Hintergrund mußte dem Wohngebiet Bännjerrück weichen. Links erkennt man ein Stück der Pfaffmauer. In der Bildmitte bei dem klapprigen Oldtimer geht heute nach rechts die Durchfahrt zur Kölchenstraße und zur Möllendorfstraße ab. Die „Dachständer“ des städtischen Elektrizitätswerks geben die Stromleitungen von Dach zu Dach weiter, und auf der Straße grünt und blüht es üppig. Auch Ende der dreißiger Jahre war Straßenbau, insbesondere in den Stadtrandgebieten, zweitrangig. Nur Wohnungsbau zählte. Die Aufnahme ist kurz vor dem Zweiten Weltkrieg gemacht worden.

Bismarckstraße
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Wenn man ins Detail geht, läßt sich auf diesem Foto, das um 1927/1928 vom Stadtbauamt Ecke Friedrichstraße / Bismarckstraße aufgenommen wurde, ein Stück Lauterer Geschichte ablesen. Etwa in der Bildmitte sieht man einen Metallpfeiler, an dem der Fahrdraht der Straßenbahn befestigt ist. Der Schienenstrang ist auf der alten Aufnahme leider nicht gut zu erkennen. Ein paar Pferdeäpfel neben den Gleisen ergänzen dieses „Lauterer Stilleben“ der zwanziger Jahre. An der Metallstütze ist ein Stationsschild der Straßenbahn angebracht. Die Straßenbahn ratterte ab dem 19. Dezember 1916 durch Kaiserslautern. Die „Endstation“ war nach knapp 19 Jahren, am 1. Juli 1935, erreicht. Auf dem Bild ist zu erkennen, daß auch die Bismarckstraße nur geschottert und mit Sand abgestreut war. Die Straßenbahn holperte auf den in die Straße eingelassenen hohlkehlähnlichen Schienen knirschend durch die Stadt. Wenn unter den Hufen eines Pferdes ein Schotterstein auf die Schienen geraten war, sprang die Straßenbahn manchmal aus der Spur. Es ist kaum zu glauben, aber es ist überliefert: Pferdeäpfel in der Nähe der Schienen waren für die Straßenbahnführer „Orientierungshilfen“, man könnte sagen „Verkehrszeichen“ mit der Bedeutung „Langsam fahren!“ Und wenn die Straßenbahn aus den Schienen sprang, hob sie das Fahrpersonal mit einer Eisenstange, die zur Standardausrüstung gehörte, wieder ein. Einer der letzten Haken des Straßenbahn-Fahrdrahts befindet sich heute noch am Fritz-Walter-Geburtshaus in der Bismarckstraße.

Der Hof der Königstraße 68 bis 74.
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Kaiserslautern von der Kehrseite: Die Aufnahme aus dem Jahr 1928 zeigt die Hofseite der Bau AG-Wohnanlage in der Königstraße 68 bis 74. Dieser Teil der Königstraße wurde 1920 gebaut. Heute ist er Bestandteil des Sanierungsprogramms der Wohnungsgesellschaft. Zwei „Schleppgauben“ sind noch erhalten, neue Balkone wurden angebaut. Der Hof, der noch im Laufe des Vorjahres neu gestaltet werden sollte, zeigt ein Stück Lauterer Sozialgeschichte. Handkarren und Hauklotz, Flatterwäsche auf der Leine. Die Waschküchen waren täglich wechselnd den Hausbewohnern zugestellt. „Lesholz“, „Brügel“ und Hecken holten sie mit Handkarren aus dem Wald. Wenn der Karren besonders schwer war, zogen ihn die Männer mit einem Riemen. Im Karren im Vordergrund ist ein „Zugriemen“ abgelegt.

Die Fischerstraße mit „Vereinsbank“
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Diese alte Stadtansicht ist bis heute fast unverändert. Im Detail betrachtet, hat sich jedoch manches verändert. Der Busveteran der Linie 5 der Städtischen Verkehrsbetriebe an der Haltestelle Stiftsplatz fährt zum Casimirring. Die „Vereinsbank“, die heutige Volksbank, hat durch den Anbau ihr Gesicht verändert. Die Aufnahme wurde im Frühjahr 1939 vom Verlag Emil Hartmann gemacht. Weil Kaiserslautern Gauhauptstadt werden sollte, wurde die Fischerstraße, die damalige Dr.-Frick-Straße, ausgebaut. Hinter der ersten Laterne ist links gerade noch ein Sperrschild zu erkennen. Der Ausbau als Aufmarschstraße war noch nicht abgeschlossen.

Fliegerstraße
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Diese drei Häuser sind noch erhalten. Sie wurden von 1919 bis 1922 gebaut. Die Bau AG übernahm nach ihrer Gründung im Juli 1921 die teilweise fertigen Gebäude. Heute ist nur noch das Haus Nummer 5 im Besitz der Wohnungsgesellschaft. Das Foto wurde im Sommer 1929 gemacht, nachdem die Straße ihren Namen bekommen hatte. Die Tafel, auf der die Baudaten standen, am ersten Haus, Fliegerstraße 1, ist bei einer Fassadensanierung untergegangen. Obwohl die Häuser noch unverändert sind. zeigt das Foto eine alte Stadtansicht. Rund sechs Jahre nach dem Bezug der Häuser hat die Fliegerstraße immer noch üppig wuchernde Grasnarben. Das Futter für die Stallhasen wuchs vor der Tür. Auch die Fahrspur in der noch nicht einmal geschotterten Straße ist zu erkennen.

Stadtansicht von Nordwesten
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Die Apostelkirche mit ihrem ursprünglichen, fast wehrhaften Turm und die Marienkirche sind auf diesem Foto des Verlags Hartmann, Mannheim, aus dem Jahr 1920/21 Orientierungshilfen. Die Türme der Stiftskirche lassen sich etwa in der Bildmitte tief im Hintergrund ausmachen. Über den freien Raum auf der Westseite der Marienkirche (rechts im Bild) hat die Stadt erst ab 1924 verfügt. Dort entstand eine der ersten Bau-AG-Wohnanlagen (St.-Marien-Platz 13) in den Jahren 1924/25. Als das Wohngebäude fertig war, erhielt das verbliebene Terrain 1925 den Namen St.-Marien-Platz. Der Park und die drei Gebäude im Vordergrund gehören heute zum Areal der Westpfalz-Klinikum GmbH. Das linke Gebäude ist der ehemalige „Kimmelbau“, der 2002 abgerissen wurde. Der mittlere Bau war das Waschhaus, das 1965/66 abgerissen wurde. Der rechte Bau ist noch erhalten. Es handelt sich um den „F-Bau“ des Klinikums, in dem chirurgische Stationen untergebracht sind. Beim „F-Bau“ handelt es sich um den früheren „Franzosenbau“. Dieser Teil des ehemaligen Städtischen Krankenhauses wurde 1910 gebaut. Die französische Besatzung nach dem Ersten Weltkrieg beschlagnahmte das Haus kurz nach ihrem Einmarsch im Dezember 1918. Das Glockentürmchen auf diesem Gebäude wurde später bei einer Dachsanierung entfernt.

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