Geschichte von KL eins

Die Geschichte unserer Heimatstadt Kaiserslautern

Unser Stadtwappen
Das Wappen der Stadt Kaiserslautern zeigt drei Felder. Die Farben weiß und rot sind die Stadtfarben. Das mittlere Feld ist weiß und soll die Lauter bedeuten. Darin schwimmt ein Fisch.

Warum wohl?

Früher wurden in den Fischweihern und Wögen viele Fische gezüchtet. Eine alte Schrift erzählt, dass es in Lautern "so viele Wöge gab, als Tage im Jahr". Darauf waren die Lauterer stolz. Deshalb kam der Fisch in das Wappen hinein

In der Senke, in der sich heute die Stadt Kaiserslautern ausbreitet, sind alle Wöge verschwunden. Es gibt keinen Fackelwoog und keinen Altenwoog mehr. Wo früher einmal Fische sprangen, Wildenten schwammen und Frösche quakten, verlaufen heute Straßen, stehen Fabriken, Geschäfte und Wohnhäuser.

Übrig geblieben ist nur der Fisch im Wappen unserer alten Stadt. Doch wir beginnen jetzt am Anfang der Geschichte unserer Heimatstadt.

1. In der Steinzeit
Vor rund 8000 Jahren war die Kaiserslauterer Senke schon besiedelt, d.h. hier wohnten bereits Menschen. Wir wissen etwas über sie, weil wir Funde aus jener Zeit besitzen. Die Bewohner stellten ihre Werkzeuge und Waffen aus Stein her. Daher nannte man diese Zeit auch Steinzeit. Die Menschen errichteten große 2 - 3 m hohe Steine, die Menhire oder Hinkelsteine. Einen solchen Menhir fand man auf dem Bännjerrück. Man kann ihn noch heute in der Halleschen Straße dort besichtigen.

2. In der Eisen- und Bronzezeit
Vor etwa 4000 Jahren konnten die Waffen und Werkzeuge aus Eisen hergestellt werden. In 8 Gräbern am Kalkofen fand man Tongefäße mit Gegenständen aus Bronze: Speerspitzen, Pfeile, Sicheln, Äxte, Schmuckstücke. Nahe am Blechhammer wurde um 1900 ein bedeutender Fund aus der Bronzezeit gemacht (ca. 1000 vor Chr.). Er enthielt u.a. Sicheln, Beile und Schmuck.

3. Die Kelten
Die ersten Menschen, die in der Kaiserslauterer Senke sesshaft wurden, waren die Kelten. Vermutlich um 800 vor Christus siedelten sie sich am Rotenberg an. Hier rodeten sie den Wald und legten Felder an. Die Kelten konnten auch schon Holzblockhäuser bauen, Brot backen, Wolle spinnen, Stoffe weben, Äxte, Speerspitzen und Schwerter schmieden und Gefäße auf der Töpferscheibe formen. Es gab Keltenstraßen mit vielen Menhieren als Wegweiser. So führte eine uralte Völkerstraße von den lothringischen Salzvorkommen zum Rhein. Sie lief über die Sickinger Höhe und berührte den heutigen Stadtteil Bännjerrück.

4.Die Römerzeit
Kurze Zeit vor Christi Geburt, also vor 2 000 Jahren, eroberten römische Soldaten viele Länder. Sie kamen auch in unsere Gegend, die man damals Germanien nannte. Sie bauten die alten Keltenwege zu befestigten Straßen aus und errichteten etwa alle 40 km Lager und Wachstationen. Sie gründeten viele Städte, z.B. Speyer und Mainz am Rhein sowie Trier an der Mosel. In der Kaiserslauterer Senke kreuzten sich zwei wichtige Römerstraßen. Auf ihnen zogen die römischen Legionen und die Kaufleute mit ihren Waren. In Kaiserslautern fand man Reste einer römischen Siedlung, unter der Stiftskirche Münzen und Scherben auf dem heutigen Rathausgelände. Etwa um 400 n.Ch. mussten die Römer unser Land wieder verlassen.

5. Der Königshof Lutra
Im 6.Jahrhundert nach Christus eroberten die Franken unser Land. Die Kaiserslauterer Senke wurde Eigentum des fränkischen Königs. Der König ließ die alten Römerstraßen wieder herrichten. Um das Land zu schützen, wurden Königshöfe errichtet. Sie lagen 20-30 km auseinander, was einer damaligen Tagesreise entsprach. Ein solcher Hof entstand am heutigen Altenhof. Da in seiner Nähe der Bach Lutra vorbeifloss, hieß dieser Königshof "Königshof Lutra". Es war ein stattlicher Bauernhof mit Gästehaus, Gesindehaus, Kapelle, Ställen... Ein starker Zaun aus Palisaden und ein Graben schützten den Königshof.

6. Lautern wird Dorf und Marktflecken
Mehrere Jahrhunderte gingen dahin, und um den Königshof  Lutra entstand ein Dorf. Fuhrleute blieben nach langer, mühevoller Tagesfahrt gerne über Nacht, denn hier standen sie unter des Königs Schutz. Es entstanden Wirtschaften für die Gäste und Ställe für das Zugvieh. Dort, wo heute die Stiftskirche steht, wurde vielleicht die erste Kapelle gebaut. Daneben wurde der Mark abgehalten. Händler schlugen ihre Buden auf, und die Bauern brachten ihre Erzeugnisse. Kaufleute, Wirte und Handwerker bauten ihre Häuser in die Nähe des Markt. Lautern wuchs in dieser Zeit zum Marktflecken heran und wurde zum größten Dorf in der Umgebung.

1.Um 820 wird in alten Urkunden und Schriften das Dorf Lautern zum ersten Mal genannt. Die "villa Luthra" war keine geschlossene Siedlung, sondern bestand aus mindestens drei Siedlungskernen, die später zur Stadt zusammenwuchsen.

2. Schon 985 gab es einen Jahrmarkt und Wochenmarkt in Lautern. Das Marktrecht wurde von Kaiser Otto III. verliehen. Dieser königliche Erlass bedeutete das Recht aus Markt, Zoll und Bann. Auf dem Platz vor der heutigen Stiftskirche durften die Händler ihre Waren anbieten. Hier liegt der Ursprung für den heutigen Maimarkt! Der Markt stand unter einem besonderen Schutz, was durch eine Fahne oder ein Kreuz angezeigt wurde (sog. Marktfrieden). Es sollten alle Streitigkeiten ruhen, um den Marktbesuchern die lebenswichtige Versorgung zu gewährleisten. Als Gegenleistung für diesen garantierten Frieden wurde der Marktzoll erhoben.

Am Markttor
Der Wagenzug nähert sich der Marktpforte. Der Kaufherr eilt zu dem Wachthäuschen und zeigt dem Pförtner die Liste der Waren. Der Pförtner geht mit ihm zum Wagen und prüft sorgfältig die Ladung. Auf dem Umgang des hohen Markttorturmes steht der Türmer und schaut zu. Endlich kann der Kaufmann seinen Zoll bezahlen. Die Wagen poltern über die Zugbrücke, durch das Torhaus in die Stadt hinein.

Der Pförtner notiert sich die Einnahme in seinem Buch. Da bemerkt der aufmerksame Türmer, dass sich hinter dem Wagen zwei junge Handwerksburschen in die Stadt einschleichen wollen. Er bläst so laut in sein Horn, dass der Pförtner erstaunt um sich sieht. Da erblickt er die beiden und ruft sie an. Die bleiben ganz verdattert stehen. Erst schimpft er mit ihnen. Als sie aber ihre Wanderbücher vorzeigen, beruhigt er sich. Es sind zwei Leinewebergesellen auf der Walz, die Arbeit suchen. Sie dürfen passieren.

Der Abend senkt sich auf die Erde. Vom Turm einer Kirche bimmelt das Abendglöckchen. Das ist ein Zeichen für den Türmer. Er bläst in sein Horn und wiederholt das Signal nach allen vier Himmelsrichtungen. Der Pförtner schließt die schweren, eisenbeschlagenen Torflügel und verrammelt sie innen mit dicken Balken. Auch die anderen Pförtner haben die Töne des Hornes gehört und schließen die Pforte. Als es dunkel ist, greift der Nachtwächter zu Spieß und Laterne, umseineRundgänge anzutreten:

"Hört, ihr Leut und lasst euch sagen: Unsre Uhr hat elf geschlagen! Bewahrt das Feuer und das Licht, damit der Stadt kein Leid geschieht!"

In Kriegszeiten bleiben die Tore geschlossen und die Zugbrücke hochgezogen. Die Wachen wurden verstärkt und hielten scharfen Ausguck.

7. Friedrich I. Barbarossa
Im Jahre 1152 wurde Friedrich I. Kaiser in Deutschland. Bei uns hieß er "Rotbart", die Italiener nannten ihn "Barbarossa" wegen seiner roten Haare. Barbarossa gefiel es bei uns gut: In den Wäldern (Reichswald) konnte er gut jagen und in den Gewässern gut fischen. Er gab den Auftrag aus der Burganlage einen Palast  (Kaiserpfalz) zu bauen. Handwerker aus dem ganzen Land kamen und bauten von 1152 - 1160 den Palast. Die Lauter spendete das Wasser für eine Mühle, einen schützenden Graben und für den Schloßteich. Die Leibeigenen mussten Bäume fällen, Steine brechen und Wege anlegen. Die Burg hatte feste Mauern und Türme aus rotem Sandstein, sie hatte feine Wohnräume mit herrlichen Teppichen und Bildern, eine Kapelle, viele Nebenräume und eine großen Kaisersaal. Barbarossa weilte oft in Lautern. Die Burg wurde jetzt eine Reichsburg. sie stand dort, wo sich heute unser Rathaus erhebt.

Friedrich Barbarossa im Kaiserberg

Kaiser Rotbart war mit einem Heere nach Jerusalem gezogen, um den Heiden das heilige Land zu entreißen. Eines Tages brachte ein Ritter die Trauerkunde in die Heimat: Der Kaiser ist ertrunken, als er einen reißenden Fluss mit seinem Pferd durchschwimmen wollte. Das Volk konnte nicht glauben, dass sein geliebter Fürst nicht mehr heimkehre und behauptete: Der Kaiser ist nicht gestorben, er ist nur verzaubert und schläft im Kaiserberg in der Nähe seines Schlosses bei Kaiserslautern.

Eines Abends gingen zwei Knechte aus dieser Stadt von der Waschmühle nach Hause. Als sie auf den Gipfel des Kaiserberges kamen, sahen sie ein tiefes Loch, das weit in den Berg hineinführte. Sie beschlossen, es am anderen Abend genauer zu untersuchen, und in aller Heimlichkeit gingen sie nach Einbruch der Dunkelheit, mit einer Laterne, einem Seil und einem Glöckchen ausgerüstet, auf den Berg. Der eine hielt den Strick, an dessen oberen Ende sie das Glöckchen befestigten, und ließ den anderen damit hinab in die Höhle. Immer tiefer ging's hinunter, bis endlich der Knecht Boden unter den Füßen verspürte.

Mit etwas bangem Herzen schaute sich der Wagemutige um, und das Blut trieb ihm schneller durch die Adern, denn er stand in einer weiteren Halle mit vielen Säulen. An einer jeden lehnte ein gepanzerter Ritter, auf Schild und Schwert gestützt, bereit zum Kampfe. Als aber der Knecht merkte, dass alle schliefen, ging er beherzter in die Halle hinein. Da jedoch durchfuhr ihn plötzlich ein neuer Schrecken. Am Ende des Saales saß auf einem goldenen Throne der Kaiser Barbarossa. Sein feuerroter Bart war durch den Marmortisch gewachsen, auf dem sein Haupt ruhte. Er winkte dem Knechte und fragte ihn schlaftrunken:

Fliegen die Raben noch um den Berg?
Ja, entgegnete der Knecht mit zaghafter Stimme.
0, dann muss ich wieder hundert Jahre weiterschlafen,
sprach darauf der Kaiser betrübt.
Du aber kehre still um und berichte deinem Herrn, was du gesehen.

Der Knecht zog schnell am Seil, dass oben das Glöckchen erklang und wurde rasch von seinem Freund emporgezogen. Verwundert vernahm sein Herr am nächsten Tage seinen Bericht, und gar mancher hat in folgenden Jahren den Eingang zur Höhle gesucht, aber niemand hat ihn mehr gefunden.

(Der Eingang zu den unterirdischen Höhlen des Kaiserbergs wurde nach dem Kriege zugemauert. Während des Zweiten Weltkrieges war dort die Stadtverwaltung bombensicher untergebracht. Auch für die Bevölkerung dienten die Kellerräume als Luftschutzbunker. Man gelangte hinunter über eine steile Steintreppe).

8. Die Prämonstratenser
Friedrich Barbarossa war ein frommer Mann. Deshalb berief er Mönche in seine Stadt, die Prämonstratenser. In der Burgkapelle hielten sie für ihn und seine Burgmannen den Gottesdienst ab. Der Kaiser dachte aber auch an seine Lauterer Untertanen. Er förderte den Bau eines Klosters, damit die Mönche wohnen und Seelsorge betreiben konnten.
Er errichtete auch ein Spital, wo die Mönche Arme betreuten und kranke, gebrechliche Menschen pflegten.
Dann schenkte er ihnen das Entersweiler Tal und den Stiftswald. Die Mönche waren tüchtige Leute. Sie richteten Sägemühlen ein und legten Fischwöge an. Sie rodeten den Wald und errichteten neue Bauernhöfe, z.B. den Bremerhof. Damals wurden die meisten Häuser noch aus Holz gebaut, die Mönche jedoch verstanden es auch Steinhäuser zu bauen und Ziegel zu brennen. Neben ihrem Kloster bauten sie die Stiftskirche, die heute noch die ehrwürdigste Kirche der Stadt ist.
Später kamen auch die Franziskaner-Mönche nach Lautern. Im Jahre 1284 gründeten sie ihr Kloster mit der Martinskirche.

9. Eine Burg wird gebaut
Zum Schutz gegen feindliche Angriffe war der Marktflecken Lutra mit Palisaden und Wassergräben umgeben, im Notfall blieb die Burg als Zuflucht. Von 1215-1253 wurde eine Stadtmauer gebaut. Alle Leute von Lautern mussten beim Bau helfen. die Handwerkervereine (Zünfte) mussten die Türme bewachen, verteidigen und reparieren.
Nun war ganz Lautern eine "Burg" und die Einwohner nannten sich "Bürger". Die Männer bewachten ihre Festung und schützten auch die Kaiserpfalz. Stets hielten sie dem Kaiser die Treue.
Die Stadtmauer war 2-3m stark und bis zu 5m hoch. Man konnte nur noch durch die Stadttore und über Zugbrücken in die Stadt hineinkommen.
Die Lauter trennte die Oberstadt von der älteren Unterstadt. Zur Oberstadt gehörten die Burg, die Ritterhäuser und das Franziskanerkloster. Das Gebiet um den Altenhof, die Marktstraße und das Prämonstratenserkloster bezeichnete man als Unterstadt. Reste der Stadtmauer finden wir heute noch an vielen Stellen in unserer Heimatstadt.

10. Lautern wird Stadt
Für die geleisteten Dienste erhob (Kaiser) Rudolf von Habsburg den großen Ort zur Stadt, zur Reichsstadt. Das war im Jahre 1276.
Die Stadt erhielt einen Bürgermeister (= Schultheiß) und die Bürger durften einen Stadtrat wählen. Wer die Gesetze nicht hielt, kam vor das Stadtgericht. In die Stadt konnte man nur durch bewachte Tore hineinkommen.